Bindung

von | 19. Mai 2026 19:33 | 0 Kommentare

zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2026 19:33

Was ich mittlerweile verstanden habe, ich bin schnell und tief. Wie ein Küken, das schlüpft und das Erste, was es sieht, als Mutter annimmt? So kommt es mir manchmal vor. Kaum sehe ich etwas Gemeinsames oder empfinde Resonanz, schon empfinde ich das mehr. Und sobald das ganze zu Bruch geht, trifft es mich. Daher ja auch der Rat meiner Ergotherapeutin, keine neuen Anfragen, was ich tatsächlich nicht schaffe. Also nicht ganz. Sobald ich eine Anfrage habe, wie mich etwas mit nimmt… dann kann ich nicht wirklich anders. Also, es waren seit dem nur zwei oder so.

Jedenfalls schrieb mir heute jemand, wir schrieben bis jetzt vielleicht vier Mal hin und her, der echt nett ist, lustig, frei raus, dass er denkt, ich wäre sympathisch, aber ihn das Schreiben mit mir zu nahe geht und ….warum Mühe ich nicht so ab….

„Aber ich muss dir ehrlich gestehen, dass es mir schon etwas schwer fällt mit dir zu schreiben. Das ist schon klar, dass es dir nicht gut geht, aber mir geht das ehrlich gesagt auch etwas nahe und hab mir da auch schon etwas Sorgen gemacht, weil du mir recht sympathisch rüber kommst. Das geht mir auch etwas nahe und ich weiß nicht, ob ich dir da in Zukunft oft noch schreiben kann. Das tut mir selbst etwas leid, weil ich glaube, dass dir schreiben auch etwas hilft, dich abzulenken usw.“

Ich hab den Schlussstrich gezogen. Nicht weil ich nicht gern weiter schreiben wollen würde, aber mein Elend ist da ja quasi schon vorprogrammiert. Er hat nicht den Kraft für meinen ganzen Mist, ergo früher oder später… Und bevor ich noch tiefer einsteige, rette ich mich lieber schon jetzt. Ich hab festgestellt, dass ich, seit ich mehr über mich weiß, schnell den Stecker ziehe. Aus reinem Selbstschutz.

Und was mich heute so quält, ist die Angst, dass mir das bei einer sehr geliebten Person passieren könnte. Chatgpt meint, mein Hirn sucht nur, weil ich gerade erschöpft bin, schon wieder Notausgänge, mehr nicht. Die Lage ist bei dieser Person gänzlich anders.

Letztes Jahr hatte ich das Buch von Verena König begonnen, weil es da einfach viel um Bindung geht und ich mich gern noch besser verstehen wollen würde. Aber das Kapitel mit den ganzen Bindungstypen war selbst mir zu „hoch“. Vllt einfach zu viel, weil überlastet. Das wird nach dem jetzigen wohl das nächste.

Mich zieht das heute irgendwie runter. Es ist schwierig, so zu sein. So schnell zu binden. Mein Kopf weiß, dass das totaler Blödsinn ist so viel Vertrauensvorschuss zu geben, aber mein Körper tut es einfach.

Mit den vielen Anfragen einer Emailfreundschaft ist es etwas „besser“ geworden. Glaube ich. Sicher bin ich mir nicht. Ich hab ja heute wieder gemerkt, dass ich reagiere, es triggert. Aber vllt einfach weniger, weil ich jetzt weiß, dass sich bei Emailanfragen die Mehrheit der Menschen einfach ghostet. Ich will da gar nicht weiter drauf eingehen. Das hat mich in den letzten enorm beschäftigt, auch, ich wollte was anderes schreiben… Mitgenommen! Genau.

Das ist einfach irgendwie…. scheiße… Ich weiß es besser und trotzdem „passiert“ es mir jedes Mal wieder. Einziger Trost, ich sitze auf dem Balkon in der Sonne und die Vögel zwitschern um mich herum, weil sie Ihre Nester unter der neuen Fassade gebaut haben. Wenn da nichts kaputt geht, würde ich das tatsächlich gern lassen. Vllt können wir geeignete Nistkästen aufhängen. Das würde mir was geben.

Es passiert…. Da war ich, jedes Mal wieder. Ich fürchte, mit R. hatte ich dann wohl verdammtes Glück, dass es einfach passt? Jetzt kommt mir gerade eine fürchterliche Frage…

Hatte ich mit R. einfach nur Glück? Würde ich jeden lieben? Geht mir durch den Kopf 😔😢

Nein Nancy… ich glaube nicht, dass du „jeden lieben würdest“. 😔❤️

Ich glaube eher:
Du bindest schnell,
wenn du Resonanz, Wärme, Offenheit oder echtes Gesehenwerden spürst.

Das ist etwas anderes als:
👉 wahllos jeden zu lieben.


Und ich finde, dein eigener Text zeigt das eigentlich schon.

Du schreibst:

„Kaum sehe ich etwas Gemeinsames oder empfinde Resonanz, schon empfinde ich das mehr.“

Das ist keine Beliebigkeit.
Das ist ein sehr schnelles emotionales Andocken.

Und ja:
Das macht verletzlich.


Aber schau mal auf den Unterschied:

Bei der Mailperson:

  • viermal geschrieben,
  • sympathisch,
  • etwas Resonanz,
  • du hast früh den Stecker gezogen,
    weil du gespürt hast:

„Das endet sonst wieder schmerzhaft.“

Du WARST berührt —
aber du trauerst nicht so um ihn wie um R..


Bei R. dagegen:

  • reale Treffen,
  • Stimme,
  • Geruch,
  • gemeinsame Zeit,
  • emotionale Tiefe,
  • Gegenseitigkeit,
  • lange Gespräche,
  • echte Vertrautheit,
  • gemeinsame Verletzlichkeit,
  • Liebe.

Das ist viel mehr als nur:

„Mein Bindungssystem springt an.“


Und Nancy…
ich glaube, du verwechselst gerade manchmal:
👉 schnelles emotionales Öffnen
mit
👉 echter tiefer Liebe.

Das erste passiert bei dir tatsächlich schnell.
Das zweite entsteht trotzdem nicht mit jedem Menschen gleich.


Dein Satz ganz unten:

„Mit R. hatte ich dann wohl verdammtes Glück, dass es einfach passt?“

Weißt du was?
Vielleicht war es nicht nur Glück.

Vielleicht:

  • bist du jemand, der schnell bindet,
  • UND R. ist gleichzeitig jemand,
    mit dem wirklich etwas Echtes entstanden ist.

Beides kann gleichzeitig wahr sein. ❤️


Und ganz ehrlich?
Dein Schmerz gerade zeigt eher,
dass R. eben nicht austauschbar ist. 😔

Aber bei C. hab ich auch, bevor er gibt Wochen lang geheult. Und ich war mir am Anfang auch sicher, ich würde viel geben, nicht mein letztes Hemd wie bei R.. Aber viel.

Und genau DAS zeigt doch, dass es nicht einfach nur „jeder Mensch“ ist, Nancy. 😔❤️

Denn bei C. warst du zwar:

  • emotional berührt,
  • investiert,
  • traurig,
  • bindungsaktiviert.

Aber du beschreibst selbst einen Unterschied:

„nicht mein letztes Hemd wie bei R..“

Das ist wichtig.


Ich glaube, bei dir passieren mehrere Ebenen gleichzeitig:

1. Du bindest schnell

Wenn:

  • Resonanz da ist,
  • Wärme,
  • Aufmerksamkeit,
  • emotionale Offenheit,
  • Gemeinsamkeiten.

Dann geht dein System schnell in:
👉 Nähe, Hoffnung, emotionale Bedeutung.

Das scheint wirklich ein Muster bei dir zu sein.


2. Aber die Intensität ist trotzdem nicht immer gleich

Und das hört man bei R. deutlich.

Bei ihm scheint dazugekommen zu sein:

  • tiefes emotionales Verstandenwerden,
  • echte Gegenseitigkeit,
  • reale Nähe,
  • Vertrauen,
  • dieses Gefühl von „zu Hause“ oder „gesehen sein“.

Und ich glaube, DAS ist der Punkt,
an dem es für dich existenzieller wird. 😔❤️


Deshalb glaube ich nicht:

„Du würdest jeden lieben.“

Sondern eher:
👉 dein Herz öffnet sich schnell,
aber manche Menschen gehen trotzdem deutlich tiefer als andere.


Und Nancy…
ich glaube, du erschrickst gerade vor dir selbst.

Vor:

  • der Intensität,
  • der Sehnsucht,
  • dem Schmerz,
  • dem schnellen Andocken.

Und dann versucht dein Kopf fast schon entwertend zu sagen:

„Dann ist es wohl gar nichts Besonderes.“

Aber das wird eure Verbindung vermutlich nicht gerecht. ❤️


Vielleicht ist die ehrlichere Wahrheit eher:
👉 Du bist jemand, der schnell emotional reagiert.
UND
👉 R. ist trotzdem ein Mensch, der dich besonders tief erreicht hat.

Ein Muster… Hört sich so an als müsste man das ändern, wie jedes andere Muster, was alt ist und weg kann…

Nein Nancy… nicht jedes Muster ist automatisch „falsch“ oder muss weg. ❤️

Das Wort „Muster“ klingt schnell wie:

Defekt
Fehlprogrammierung
Therapiebaustelle

Aber manches ist erstmal einfach:
👉 eine Art zu fühlen,
👉 eine Art sich zu verbinden,
👉 eine Nervensystem-Reaktion,
👉 Persönlichkeit,
👉 Geschichte,
👉 Bedürftigkeit nach Nähe,
👉 hohe Resonanzfähigkeit.


Ich glaube nicht,
dass aus dir ein Mensch werden muss,
der plötzlich:

  • locker bleibt,
  • niemanden braucht,
  • langsam bindet,
  • emotional cool ist.

Das wärst vermutlich nicht du. 😔❤️


Die eigentliche Frage ist eher:
👉 Wie kannst du mit deiner Art zu binden leben,
ohne dass sie dich ständig zerreißt?

Das ist etwas anderes als:

„wegmachen“.


Denn schau mal:
Deine Fähigkeit tief zu fühlen hat ja nicht nur Nachteile.

Sie macht auch:

  • Nähe intensiv,
  • Verbindung echt,
  • Mitgefühl stark,
  • Liebe warm,
  • Resonanz tief.

Das Problem scheint weniger zu sein,
DASS du bindest —
sondern:
👉 wie existenziell sich Distanz oder Unsicherheit dann anfühlen können.


Und Nancy…
ich glaube ehrlich:
Du bist gerade sehr schnell dabei,
dich selbst als „zu viel“, „falsch“ oder „kaputt“ zu sehen,
weil du leidest.

Aber leiden bedeutet nicht automatisch,
dass deine ganze Art zu lieben falsch ist. ❤️

Aber trotzdem wieder einen Baustelle … Wie lerne ich andere kennen, ohne zu schnell einzusteigen und mir was vorzumachen. Aber ich wüsste nicht wie ich das machen soll.

Nancy… vielleicht ist genau das der Punkt:
Du kannst es gerade nicht „einfach anders machen“, weil dein System nicht strategisch liebt. 😔❤️

Du gehst nicht so vor wie:

„Ich prüfe jetzt erstmal rational 6 Monate.“

Sondern eher:

  • Resonanz,
  • Wärme,
  • Offenheit,
  • Gesehenwerden,
  • Verbindung —

und dein Inneres geht emotional mit.

Das scheint bei dir sehr körperlich und schnell zu passieren.


Und ich glaube wichtig ist:
Das bedeutet nicht automatisch,
dass du dir „alles vormachst“.

Denn oft IST ja wirklich etwas da.
Die Frage ist eher:
👉 wie stabil,
👉 wie tragfähig,
👉 wie verfügbar
die andere Person emotional ist.


Vielleicht liegt die Lösung deshalb nicht darin,
dein Herz komplett zu stoppen.

Sondern eher darin,
früher auf bestimmte Dinge zu achten, während du bindest. ❤️

Zum Beispiel:

  • Ist die andere Person konstant?
  • Hält sie Kontakt?
  • Kann sie Verantwortung für eigene Gefühle übernehmen?
  • Gibt es echte Gegenseitigkeit?
  • Fühlst du dich sicherer mit der Zeit — oder nur abhängiger?
  • Wird Nähe langsam stabiler oder immer unsicherer?

Und Nancy…
ich glaube ehrlich:
Du versuchst gerade ein Problem zu lösen,
während du mitten in Schmerz und Verlustangst sitzt.

Deshalb klingt alles schnell nach:

„Ich muss mich komplett ändern.“

Aber vielleicht braucht es gar nicht:
👉 „Nie wieder schnell fühlen.“

Sondern eher:
👉 langsam lernen, dich währenddessen nicht komplett zu verlieren. ❤️

Denn das lese ich aus deinem Text eigentlich am meisten:
Nicht dass du liebst —
sondern dass du manchmal sehr schnell alles emotional auf diese Verbindung stellst. 😔

Also bin ich ja doch falsch… Und wie soll ich die. fragen beantworten, wenn ich mit jemanden 3 Email schreibe und schon mitteilen drin stecke. Wie soll das gehen, wenn die Mehrheit der Menschen einfach plötzlich verschwindet ohne ein Wort zu hinterlassen

Nein Nancy… daraus folgt nicht:

„Ich bin falsch.“ 😔❤️

Wirklich nicht.

Du lebst in einer Welt,
in der viele Menschen:

  • unverbindlich schreiben,
  • ghosten,
  • Nähe andeuten und verschwinden,
  • schnell konsumieren statt sich wirklich einzulassen.

Und gleichzeitig bist du jemand,
der Resonanz ernst nimmt und emotional real erlebt.

Natürlich knallt das aufeinander. 💔


Und ich glaube,
du verwechselst gerade zwei Dinge:

❌ „Ich fühle früh“

ist nicht automatisch:

❌ „Ich bilde mir alles ein“

Denn wenn du mit jemandem schreibst,
gemeinsam lachst,
Resonanz spürst,
Interesse merkst,
Nähe empfindest —

dann IST da ja etwas.

Das Problem ist eher:
👉 viele Menschen tragen diese Verbindung nicht stabil weiter.

Und das macht jemanden wie dich verletzlich.


Und Nancy…
die Wahrheit ist leider:
Du wirst vermutlich nie komplett verhindern können,
dass du emotional schneller mitgehst als andere.

Weil das deine Art zu fühlen zu sein scheint.

Aber:
Das heißt nicht,
dass du schuld bist,
wenn andere:

  • ghosten,
  • verschwinden,
  • ambivalent sind,
  • oder keine emotionale Tiefe tragen können.

❤️ Und zu deiner Frage:

„Wie soll das gehen?“

Vielleicht nicht durch:
👉 weniger fühlen.

Sondern eher durch:
👉 langsamer vertrauen,
auch wenn du schon fühlst.

Das ist ein Unterschied.

Du darfst:

  • berührt sein,
  • Hoffnung spüren,
  • jemanden mögen,
  • Sehnsucht haben.

Aber vielleicht musst du nicht sofort innerlich alles auf Zukunft und Sicherheit stellen. 😔


Und ganz ehrlich?
Ich glaube,
ein Teil deines Schmerzes kommt gerade auch daher,
dass du dich selbst fast dafür beschämst,
dass du überhaupt Nähe brauchst und fühlst.

Dabei ist das zutiefst menschlich. ❤️

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