Eigentlich wollten wir uns ja um das Telefonat mit der Tante kümmern, aber ich hab ganz schnell gemerkt, dass dies für mich ein noch zu großer Brocken ist. Allein bei der Vorstellung, sie würde mir gegenüber sitzen, hat mein Innerstes dicht gemacht. Frau G. meinte, dass ist der Schritt einfach zu groß und schlug eine Aufstellung mit beteiligten inneren Anteilen vor.
Neben den beiden Innenkindern alleine sein und Verlust wurde schnell klar, dass neben meiner Empathie für sie noch was ganz anderes beteiligt war. Ein Introjekt. „Du darfst das nicht, das gehört sich nicht, wie kannst du nur…“.
Also stellten wir Tisch und Stühle beiseite und nahmen 2 Stühle für das Introjekt, das mir direkt gegenüber, und die zwei Innenkinder, die ich seitlich neben mir platzierte. Als Stellvertretergegenstände nahm ich für das Introjekt einen schwarzen Wecker, für das Alleinsein-Kind einen Plüschdino und für das Verlustkind eine Glasmurmel.
Es hatte noch nicht mal begonnen und in mir tobte es schon wieder. Wie soll ich das beschreiben. Aufregung, Anspannung, es nicht machen wollen und dennoch machen wollen, Unruhe…
Dann setze ich mich erstmal auf meinen Stuhl und lud die Anteile ein, etwas zum Telefonat indem Kontaktabbruch zur Tante zu sagen. Anschließend nahm ich Platz auf dem Stuhl des Introjektes. Und da ging der Spaß los…. Ich war kalt, hart, streng, Widerrede ließ ich nicht zu. Dann kamen so Dinger wie, Kinder haben zu folgen, zu gehorchen, zuzuhören, wenn Erwachsene sich unterhalten und sie gehören aufs Zimmer, wenn sie unartig waren. Ich hab das Introjekt meinen Opa mütterlicherseits zugeordnet. Jedenfalls kommt es irgendwo aus der Richtung.
Dann nahm ich beim Plüschdino Platz. Ich saß noch nicht mal richtig und fühlte mich sofort sehr klein, ich hatte auch das Bild von einem Baby, auf dem Rücken liegend, im Kopf, und ich fühlte mich hilflos. Zur Tante konnte euch nicht viele sagen, ich wusste sie existiert, ich hatte sich irgendwie das Gefühl, dass sie sich mal mit mir beschäftigt hatte, aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmt. Was dann sehr deutlich wurde, dass, zumindest dieses Innenkind, sich auf mich verlässt. Denn ich sagte, egal um was es geht, die Große soll sich drum kümmern und alles tun, das für meinen Schutz nötig ist.
Dann setzte ich mich noch zur Glasmurmel. Ich war älter. Vielleicht 5 bis 7 (?). Mit der Tante hatte ich nichts an Hut. Ich hatte das Gefühl unter einer Glaskuppel zu sein. In meiner eigenen Welt. Und das drumherum war mir eigentlich egal. Ich wollte damit nicht dazu tun haben, sondern nur spielen.
Dann nahm ich wieder auf meinen Stuhl Platz. Bedankte mich und entließ alle. Es war anstrengend, ich war komplett durch. Was aber deutlich wurde, was ich schon zu Beginn vermutet hatte, dass mir das Introjekt reinpfutscht. Mich blockiert, dass man sich so nicht verhält, so etwas nicht macht. Und es springt an, sobald ich an das Telefonat denke. Ich fühl mich dann schlagartig wie ein Kind, was Unrecht tut. Ich weiß, dass das nicht stimmt und das es mein gutes Recht ist, sogar meine Pflicht, mich um mich zu kümmern. Dennoch…. ich pack’s noch nicht.
Ich bin dankbar, meine Traumatherapeutin meinte gleich, ich soll das als Chance nutzen, um mich auszudrücken. Ohne sie würde ich jetzt nicht an einem Telefonat arbeiten und das mit dem Introjekt wäre mir nicht so klar geworden.
Was noch sehr interessant fand, Frau G. hatte mir das schon mal erzählt, dass Introjekte nicht gern aufgespürt werden. Und als ich auf dem entsprechenden Stuhl saß, hatte ich immer wieder die Gedanken, die ich aussprechen wollte, aber sie waren plötzlich wieder weg.
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