Ich war im Bad. Mein Mann ließ die Tür auf und macht dann aus Spaß im Flur das Licht aus. Ich schrie aus Spaß. Er macht wieder an. Dann macht er wieder und ließ es aber aus. Ich schrie erst nur aus Spaß. Dann kippte es in totale Angst. Ich schrie wie ne Irre. Ich wusste nicht, dass man so lange mit einem Atemzug schreien kann. Mir tut der Hals immer noch weh.. ich stand wie angewurzelt da. Dann hab ich nach dem Schalter gesucht, aber in der Panik nicht gefunden. Und im Dunklen sieht man die grünen Lichter vom Router und dann dachte ich gesehen zu haben, als wären sie kurz weg gewesen, also jemand vorbeigegangen und ich hatte nur die Angst, dass was aus dem Dunklen kommt und nach mir greift. Dann macht er wieder an und ich brach in Tränen aus. Dann fing ich an am ganzen Körper zu zittern. Ich hab mich so geschämt 😞 Mich erinnert das an träume, die ich schon ewig habe. Ich bin allein in einer Wohnung, und da ist was böse, entweder in der Wohnung selbst oder „in den Lichtschaltern und Leitungen lebend“ und es ist lebensbedrohlich und verfolgt mich.
Oh… das war kein Spaß-Moment, auch wenn er so begonnen hat. 💔
Das, was du beschreibst, war echte, massive Angst – ein Überfluten des Nervensystems. Und dafür musst du dich nicht schämen. Wirklich nicht.
Ich gehe das behutsam mit dir durch.
Was da passiert ist (wichtig: du bist nicht „übertrieben“)
Am Anfang:
Dunkelheit
Kontrollverlust (Licht aus, nicht selbst gesteuert)
Überraschung
Dann der Kipppunkt:
Er lässt das Licht aus
Dein Körper merkt: „Ich bin allein. Ich habe keine Kontrolle. Gefahr.“
Ab diesem Moment warst du nicht mehr im Spiel-Modus, sondern im reinen Überlebensmodus.
Dein Körper hat:
Freeze (wie angewurzelt)
Fight/Flight über die Stimme (Schreien)
Tunnelwahrnehmung (grüne Routerlichter, Bewegung „sehen“)
Nachreaktion (Zittern, Weinen)
Das ist kein „Ausflippen“.
Das ist ein archaisches Notfallprogramm, das nicht über den Verstand läuft.
Warum es sich so „uralt“ und „böse“ angefühlt hat
Das Entscheidende ist nicht das Licht.
Es ist dieses Gefühl:
Allein – Dunkel – etwas ist da – ich kann es nicht kontrollieren – es ist lebensbedrohlich.
Genau deshalb passen deine wiederkehrenden Träume so exakt dazu.
Diese Bilder:
etwas lebt in der Wohnung
oder in Leitungen / Schaltern
etwas Unsichtbares, Allgegenwärtiges
es verfolgt dich
es kommt aus dem Dunklen
👉 Das sind keine Fantasien.
Das sind Symbolbilder für eine frühe, existenzielle Angst.
Nicht „Monster“ – sondern:
Ausgeliefertsein
Keine Hilfe
Keine Stimme, die rechtzeitig kommt
Kein Licht, das du selbst anmachen kannst
Warum du so lange schreien konntest
Das ist wichtig, weil es dir vielleicht Angst macht:
In akuter Todesangst:
schaltet der Körper auf Maximal-Atemreserve
Stresshormone übergehen Schmerz und Erschöpfung
Schreien wird zur Kontakt-Suche („Jemand muss kommen!“)
Dass dir jetzt der Hals weh tut, heißt:
➡️ Dein Körper war vollständig auf Alarm
➡️ und hat alles gegeben, um zu überleben
Das ist keine Schwäche.
Das ist rohe Lebenskraft.
Zur Scham 💔
Die Scham kommt immer nach solchen Zuständen.
Nicht weil du „peinlich“ warst, sondern weil:
du extrem schutzlos warst
jemand anderes es gesehen hat
dein Nervensystem danach versucht, „Normalität“ herzustellen
Aber hör mir bitte zu:
Du hast nichts falsch gemacht.
Du hast nicht überreagiert.
Dein Körper hat dich geschützt.
Dein Mann hat einen Scherz gemacht.
Dein Körper hat etwas sehr Altes gehört.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Jetzt – ganz konkret – für diesen Moment
Bitte mach jetzt eins von diesen Dingen (oder mehrere):
Leg eine Hand auf deine Brust, eine auf den Bauch
Sag (leise oder laut):
„Ich bin hier. Es ist vorbei. Das Licht ist an.“
Spür etwas Kaltes oder Festes
Tischkante, Boden, Wand.
Druck hilft dem Nervensystem, sich zu orientieren.
Atme länger aus als ein
z. B. 4 Sekunden ein – 6 Sekunden aus
Nicht perfekt. Nur ein paar Mal.
Wenn du magst, bleib ich jetzt einfach bei dir, bis das Zittern ganz abklingt.
Und für später (nicht jetzt, nur zum Einordnen)
Das hier ist ein Schlüsselereignis.
Kein Rückschritt. Kein „Drama“.
Sondern ein Hinweis:
👉 Dein System reagiert besonders stark auf:
Dunkelheit
plötzlichen Kontrollverlust
Alleinsein + Übergänge
Reizabbrüche (Licht, Geräusch, Präsenz)
Das passt haargenau zu dem, was du mir früher über Übergänge, Stille und Sicherheit erzählt hast.
Aber das bearbeiten wir nicht heute Nacht.
Heute darfst du einfach erschöpft sein.
Wenn du willst, sag mir:
Ist dein Mann gerade bei dir?
oder bist du allein im Raum?
Ich bin da. Du musst da jetzt nicht alleine durch. 🤍
Ich liege im Bett. Alle sind hier.
Gut. 🤍
Das ist ganz wichtig: Du bist nicht allein. Alle sind da. Du liegst. Es ist vorbei.
Lass uns deinem Körper jetzt helfen, das auch zu begreifen – ohne Reden, ohne Erklären.
Jetzt, im Bett – ganz konkret
Mach bitte nur das, was sich okay anfühlt:
1. Druck & Halt
Zieh die Decke ein kleines Stück fester um dich
oder
Leg eine Hand auf deinen Bauch, eine auf die Brust
Sag (innerlich reicht):
„Ich bin im Bett. Alle sind da. Es ist jetzt sicher.“
2. Zittern darf sein
Das Zittern ist kein Problem, sondern Entladung.
Versuch nicht, es zu stoppen.
Dein Körper lässt gerade überschüssige Alarmenergie los.
Wenn es hilft:
Beine leicht anwinkeln
Füße gegeneinander drücken
3. Atmung – ganz sanft
Nicht tief, nicht „richtig“. Nur:
einatmen
ausatmen einen Tick länger
Vielleicht 3–4 Atemzüge. Mehr braucht es nicht.
Zur Scham (die darf jetzt leiser werden)
Du musst dich nicht erklären.
Du musst dich nicht entschuldigen.
Du musst nichts richtigstellen.
Das war kein „Drama“, sondern ein Nervensystem in Not.
Und jetzt bist du gehalten. Punkt.
Ein Satz für dein Inneres (nur wenn du magst)
„Ich hatte große Angst. Und jetzt bin ich nicht mehr allein.“
Ich bleibe hier bei dir.
Wenn du willst, sag mir nur mit einem Wort:
ruhiger
noch zittrig
erschöpft
Mehr brauchst du gerade nicht. 🌙
Ruhig, müde. Gute Nacht
Ein ernster Spaß
zuletzt aktualisiert am 29. Dezember 2025 11:45
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