sich angegriffen fühlen/querbeet

von | 11. März 2026 18:17 | 0 Kommentare

zuletzt aktualisiert am 11. März 2026 18:17

Warum fühl ich mich übel schnell angegriffen und kann Dinge nicht neutral hören oder lesen.

Das kann mehrere Gründe haben – und oft wirken mehrere gleichzeitig. Es hat meistens weniger damit zu tun, dass jemand „zu empfindlich“ ist, sondern damit, wie das Nervensystem gelernt hat, Informationen zu bewerten. Ich nenne dir ein paar typische Mechanismen, die dazu führen können:


1. Dein Gehirn sucht nach Gefahr

Wenn jemand viele schwierige Erfahrungen gemacht hat (z. B. Kritik, Ablehnung, Mobbing oder beschämende Situationen), lernt das Gehirn:

„Achtung, Worte könnten Angriff bedeuten.“

Dann passiert etwas automatisch:

  • Der Gefahren-Scanner im Gehirn (Amygdala) springt an.
  • Der Inhalt wird nicht neutral, sondern als mögliche Bedrohung interpretiert.

Das passiert schneller als Denken.
Deshalb fühlt sich ein Satz sofort wie Kritik an – selbst wenn er neutral gemeint ist.


2. Frühere Erfahrungen färben neue Situationen

Wenn man öfter erlebt hat:

  • nicht ernst genommen zu werden
  • kritisiert oder ausgelacht zu werden
  • falsch verstanden zu werden

dann bildet sich eine Art Erwartungsfilter.

Der Filter sagt innerlich:

„Bestimmt meint die Person wieder etwas gegen mich.“

Dann liest oder hört man Dinge automatisch durch diesen Filter.


3. Nervensystem im Alarmmodus

Wenn das Nervensystem generell angespannt ist (Stress, Schlafmangel, Überforderung, Reizüberflutung), dann sinkt die Fähigkeit zu sagen:

„Moment, vielleicht war das gar nicht gegen mich.“

Dann reagiert man schneller mit:

  • Verteidigung
  • Rückzug
  • innerem Angriff („Ich werde gerade angegriffen“)

4. Hohe Sensibilität für Zwischentöne

Manche Menschen nehmen Stimmung, Tonfall, kleine Andeutungen extrem fein wahr.

Das hat zwei Seiten:

  • Man merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt.
  • Aber man kann auch mehr hineinlesen als wirklich gesagt wurde.

5. Ein Schutzmechanismus

Diese Reaktion ist oft ein Schutz.
Dein System versucht, dich davor zu bewahren, wieder verletzt zu werden.

Das Problem ist nur:
Der Schutz reagiert manchmal zu früh oder zu stark.


Eine wichtige Sache

Viele Menschen denken dann:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“

In Wirklichkeit bedeutet es oft nur:

Dein Nervensystem hat gelernt, sehr wachsam zu sein.

Das kann man wieder trainieren, damit Dinge öfter neutral ankommen.


Ich würde dir gerne noch eine Frage stellen, weil sie hilft herauszufinden, welcher Mechanismus bei dir am meisten beteiligt ist:

Passiert das eher bei bestimmten Menschen oder fast bei allen?
Zum Beispiel:

  • besonders bei deinem Mann
  • bei fremden Leuten
  • beim Lesen von Nachrichten / Texten
  • oder generell überall

Daran erkennt man meistens ziemlich gut, woher die Reaktion kommt.

Generell. Und ja, ich bin heute müde, und zur Zeit eh mehr neben mir als in mir oder wie auch immer.

Das passt tatsächlich sehr gut zu dem, was du beschreibst. Wenn du müde bist und dich sowieso schon „neben dir“ fühlst, verändert sich etwas ganz Grundlegendes im Gehirn:

Der Teil, der Dinge einordnet, relativiert und neutral bewertet (vor allem der präfrontale Cortex), arbeitet dann deutlich schlechter. Gleichzeitig bleibt der Teil, der auf mögliche Bedrohung reagiert, ziemlich aktiv.

Das führt oft zu genau dem Gefühl, das du beschreibst:

  • Dinge wirken schärfer oder persönlicher gemeint, als sie vielleicht sind.
  • Worte landen nicht als Information, sondern eher als Impuls im Bauch.
  • Man hat weniger Abstand zwischen „jemand sagt etwas“ und „ich fühle mich angegriffen“.

Wenn du zusätzlich sagst, dass du dich mehr neben dir als in dir fühlst, klingt das auch ein bisschen nach einem Zustand von innerer Erschöpfung oder leichter Dissoziation / Entkopplung. Dann passiert häufig:

  • Wahrnehmung wird unscharf oder fremd
  • Emotionen reagieren schneller oder unpassend stark
  • Gedanken wie „Was meint die Person wirklich?“ springen sofort an

Das ist kein Zeichen, dass mit dir etwas „nicht stimmt“. Es ist eher ein Hinweis darauf, dass dein System gerade ziemlich ausgelastet ist.

Eine kleine Sache, die in solchen Momenten helfen kann (ohne große Anstrengung):

Verzögerung einbauen.
Wenn du merkst, dass dich etwas sofort trifft, innerlich kurz sagen:

„Vielleicht meint mein Gehirn gerade mehr Gefahr, als wirklich da ist.“

Das ist kein Wegdrücken – eher ein kleiner Puffer, damit dein System wieder etwas Zeit bekommt.

Und noch etwas: Du hast vorhin geschrieben, dass du dich zur Zeit generell mehr neben dir fühlst. Das ist oft ein Zeichen, dass der Körper gerade versucht, sich vor zu viel innerer Spannung zu schützen.

Mich würde interessieren (nur wenn du magst):
Fühlt sich dieses „neben dir sein“ eher an wie

  • benommen / wattig,
  • leer oder abgeschnitten,
  • oder eher überreizt und gleichzeitig weit weg?

Das sind drei etwas unterschiedliche Zustände – und sie haben oft unterschiedliche Auslöser.

ich: Meien Ausdrucksweise ist Missverständlich. Eher ich erkenne mich nicht wieder. Sry.

Du musst dich dafür nicht entschuldigen. Wirklich nicht. 🙂
Und dein Satz ist gar nicht so missverständlich – er beschreibt sogar etwas ziemlich Präzises.

Wenn du sagst „ich erkenne mich nicht wieder“, meinen viele Menschen damit einen Zustand, in dem sie merken:

  • So reagiere ich eigentlich nicht.
  • Das passt gerade nicht zu mir.
  • Ich bin irgendwie anders als sonst.

Das kann passieren, wenn mehrere Dinge zusammenkommen, z. B.:

1. Müdigkeit + Überlastung

Wenn man müde ist, sinkt die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren.
Dann kann man schneller:

  • gereizt sein
  • Dinge persönlicher nehmen
  • ungewohnt reagieren

Und danach denkt man:
„Warum war ich gerade so?“

2. Ein innerer Zustand, der gerade stärker ist

Du hast ja schon öfter beschrieben, dass du manchmal merkst, dass verschiedene innere Anteile reagieren. Dann kann es passieren, dass ein Teil gerade am Steuer sitzt, der z. B.:

  • schneller Alarm schlägt
  • schneller verletzt ist
  • schneller verteidigt

Dann fühlt es sich an, als ob nicht dein ruhiger „Alltags-Ich“ vorne steht.

3. Selbstbeobachtung

Das Interessante ist: Dass du sagst „ich erkenne mich nicht wieder“ zeigt eigentlich, dass ein anderer Teil von dir sehr klar beobachten kann, was gerade passiert.

Also zwei Ebenen gleichzeitig:

  • ein Teil reagiert empfindlicher
  • ein anderer Teil merkt: Das bin gerade nicht ganz ich.

Das ist oft eher ein Zeichen von Bewusstsein, nicht von Kontrollverlust.


Und noch etwas Wichtiges:
Du hast heute selbst gesagt, dass du müde bist. Müdigkeit kann wirklich erstaunlich viel verändern – Stimmung, Wahrnehmung, Reizbarkeit, sogar das Gefühl zu sich selbst.

Manchmal ist die ehrlichste Erklärung einfach:

Heute ist mein System nicht im Gleichgewicht.

Das sagt nichts über dich als Person aus.


Ich frage dich etwas, weil es helfen kann, das einzuordnen:

Wenn du dich „nicht wiedererkennst“, ist das eher so, dass du
1️⃣ kälter / distanzierter reagierst als sonst,
oder
2️⃣ verletzlicher / schneller angegriffen bist als sonst?

Das sind zwei ganz unterschiedliche Richtungen – und beide erzählen etwas anderes über das, was gerade in dir passiert.

Ach man.. das nicht ….warte, mein vorletzter blogbeitrag, den hab ich dir geschickt. Mom ….. Und davor war ne blöde Nachricht am Auto, dass es PrivatparkplTz sei… Ich hab nicht wirklich viel gelesen und war „grundlos“ angefressen… Mein Mann wollte den Zettel lesen, hat mir gezeigt, dass die Parkmöglichkeiten nicht zu. Grundstück gehören und ich hab nur mit den Augen geleiert und mir gedacht, lass es doch gut sein…. Und als ich heim kam, mußte ich mit dem Auto durch die enge Gasse nebenan. Ich hatte nicht an der Hecke geparkt, weil ich mir dachte, d ist er sicher angefressen, weil Hecke und seine ersten Worte waren nicht Hallo, sondern “ bist du ohne die Kratzer durchgekommen“. Und da war ich dann durch…. Wütend und hatte die Schnauze voll. Bin dann wegefahren, aber das was ich wollte, hab es nicht. Und ein alter Mann hat mich voll gelabert, mit Nazis. Und Weltuntergang und wie bekloppt alle sind und ich hab mir das 15min angetan… 😔 Danach war ich dann getriggert. Ich wollte als Chance zum reden nehmen, aber bin gescheiteet. Der größere Erfolg wäre sicher gewesen, zu gehen… Super. Dann war ich enttäuscht von mir. Und zuhause lag mein Handy und mein Mann schrieb, dass es keins cjlnes Gefühl ist, wenn die manchmal suizidale Frau einfach ohne Handy wegfährt. Und jetzt fühl ich mich noch schlechter, nach dem mottow alles falsch zu machen.. Und die Rückfahrt war schwierig, weil dunkle Wolken und Regen… Trigger. Und ich merke an Hand dem, was da ist. Dass ich das Gefühl habe ich bin nur altes Muster und ich hab bisher nichts gelöst 😭🤧😖

Nancy… ich habe deinen Text aufmerksam gelesen. Da steckt gerade sehr viel auf einmal drin. Ich versuche zuerst etwas Wichtiges zu sagen, bevor ich auf einzelne Punkte eingehe:

Das, was du beschreibst, sieht nicht danach aus, dass du „nichts gelöst hast“.
Es sieht eher danach aus, dass du mitten in einer Veränderungsphase bist.

Und diese Phase fühlt sich für viele Menschen genau so an, wie du es beschreibst:

  • unsicher
  • einsam
  • irritierend
  • nicht mehr wie früher
  • aber auch noch nicht stabil im Neuen

Das fühlt sich oft an wie zwischen zwei Welten stehen.


Was ich in deinem Text sehe

1. Alte Muster funktionieren nicht mehr

Du schreibst selbst:

„Ich gehe einfach nicht mehr hin.“

Früher hast du offenbar viel ausgehalten.
Jetzt beginnst du zu entscheiden.

Das ist ein riesiger Unterschied. Aber:

Wenn man aufhört zu funktionieren, passiert oft erstmal etwas Unerwartetes:

Es wird leer.

Nicht weil du etwas falsch machst, sondern weil:

  • alte Rollen wegfallen
  • alte Dynamiken nicht mehr passen
  • neue Beziehungen oder Formen noch nicht da sind

Das ist eine Übergangsleere.


2. Du bewegst dich – andere nicht

Du beschreibst etwas sehr Typisches:

„Ich habe das Gefühl mich zu bewegen und der Rest bleibt stehen.“

Das passiert häufig, wenn jemand anfängt:

  • Dinge zu reflektieren
  • Muster zu erkennen
  • Grenzen zu setzen

Dann fühlt sich plötzlich vieles oberflächlich oder fremd an.

Nicht weil die Menschen schlechter sind – sondern weil dein Blick sich verändert hat.


3. Deine Reaktionen heute

Wenn ich die Situation mit deinem Mann und dem Parkplatz lese, sehe ich kein „Versagen“.

Ich sehe eher eine Kette von Belastung:

  1. Therapie → emotional aufgewühlt
  2. Zettel am Auto → Ärger / Angriffsempfinden
  3. Diskussion darüber → genervt
  4. enge Gasse + Stress → Anspannung
  5. Kommentar deines Mannes → letzter Tropfen
  6. alter Mann mit Weltuntergangsgerede → Überforderung
  7. danach Selbstkritik

Das ist ein komplett überlastetes Nervensystem, nicht „du bist falsch“.


4. Der Satz deines Mannes

Der hat dich wahrscheinlich besonders getroffen:

„… wenn die manchmal suizidale Frau ohne Handy wegfährt.“

Ich verstehe, dass er damit vermutlich Angst ausdrücken wollte.
Aber emotional kann so ein Satz sich anfühlen wie:

  • Etikett
  • Vorwurf
  • Kontrolle

Und wenn man sowieso schon wackelig ist, landet das direkt im Herzen.


Der wichtigste Punkt aus deinem Text

Du schreibst:

„Ich habe das Gefühl ich bin nur altes Muster und habe nichts gelöst.“

Ich sehe im Gegenteil mehrere Dinge, die zeigen, dass sich etwas verändert:

  • du erkennst Muster
  • du reflektierst Konflikte
  • du gehst nicht mehr überall hin
  • du hinterfragst Beziehungen
  • du willst Leichtigkeit statt Drama

Das sind keine alten Muster.
Das sind neue Orientierungsversuche.

Nur fühlt sich Orientierung suchen oft wie Verlorensein an.


Etwas, das mir besonders aufgefallen ist

Du schreibst:

„Ich glaube manchmal fehlt mir ein Healingbuddy.“

Das ist ein sehr klarer Wunsch:

Jemand, der

  • ehrlich über Entwicklung spricht
  • Rückschläge teilt
  • nicht nur Smalltalk macht
  • wirklich reflektiert

Viele Menschen haben diesen Wunsch, finden ihn aber schwer.

Und ehrlich gesagt:
Du wirkst wie jemand, der Tiefe sucht, während viele Menschen eher im Alltagsmodus leben.

Das erzeugt oft Einsamkeit.


Eine Sache zu heute

Der heutige Tag klingt einfach wie ein zu voller Tag für ein schon sensibles System.

  • Therapie
  • Konfliktgefühl
  • Autofahren / Stress
  • fremder Mensch mit Weltuntergangsreden
  • schlechtes Wetter / Trigger
  • Beziehungsspannung

Das ist viel.

Kein Wunder, dass dein System sagt:

„Ich bin fertig.“


Eine Frage, die mich wirklich interessiert

Nicht therapeutisch – eher menschlich:

Wenn du an dein Leben denkst…

Wann hast du zuletzt wirklich Leichtigkeit gespürt?

Nicht „alles ist perfekt“, sondern sowas wie:

  • lachen
  • durchatmen
  • Verbindung fühlen
  • einfach okay sein

Manchmal hilft diese Frage zu sehen, wo deine Energie eigentlich hin will.

Ich: ich hab da sheute bei der Ergo angesprochen, aber ich kam einfach nichts ins weinen. Und so ist es einfach nur ein erzählen und analysieren, aber kein Ballast abgeben dürfen. 😭

Nancy… ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Und das ist eine sehr frustrierende Situation. Du sitzt dort, erzählst Dinge, die eigentlich schwer sind – und innerlich passiert das, was oft passieren müsste, damit sich etwas löst, nicht. Dann bleibt es bei:

  • erzählen
  • analysieren
  • verstehen

aber nicht fühlen und entladen.

Und genau das fühlt sich dann oft so an, als würde der Ballast im Körper bleiben.

Viele Menschen denken, wenn man nicht weint, dann „kommt man nicht an die Gefühle ran“. Aber so einfach ist es nicht. Manchmal passiert nämlich etwas anderes: Das Nervensystem hält die Emotion fest, weil es sich noch nicht sicher genug fühlt, sie loszulassen. Dann bleibt man eher im Kopfmodus.

Und du beschreibst ja selbst sehr klar, dass du viel reflektierst. Das ist eine Stärke – aber manchmal wird genau diese Fähigkeit auch zu einer Art Schutzschicht über den Gefühlen.

Das bedeutet nicht, dass du nichts fühlst. Im Gegenteil: Dein Text und das, was du heute erlebt hast, zeigen ja, dass da sehr viel ist – Traurigkeit, Einsamkeit, Wut, Enttäuschung. Nur der Moment, in dem das alles einmal raus darf, kommt nicht.

Und noch etwas Wichtiges: Weinen lässt sich nicht erzwingen. Manchmal ist der Körper nach so vielen Jahren des „Aushaltens“, von denen du geschrieben hast, einfach sehr geübt darin, die Schleuse geschlossen zu halten. Dann braucht es oft sehr viel Sicherheit oder einen anderen Zugang, bis sich etwas löst.

Dass du heute aus der Stunde wackeliger rausgegangen bist, kann auch damit zusammenhängen. Wenn man Themen anstößt, ohne dass eine Entlastung folgt, bleibt das System oft erstmal offen und roh.

Und ehrlich gesagt: Nach dem, was danach alles passiert ist (Auto, Zettel, enge Gasse, der ältere Mann, der dich 15 Minuten vollgeredet hat, die Nachricht deines Mannes), wundert mich nicht, dass du dich jetzt einfach nur erschöpft und schlecht fühlst. Das war emotional ein ziemlich dichter Tag.

Ich möchte dir eine kleine Sache sagen, die vielleicht wichtig ist:
Nur weil du heute nicht weinen konntest, heißt das nicht, dass nichts gearbeitet hat. Manchmal kommen Gefühle erst Stunden oder Tage später, wenn der Körper merkt, dass der Moment sicher ist.

Darf ich dich etwas fragen, Nancy?
Wenn du merkst, dass die Tränen eigentlich da sein könnten, aber nicht kommen – fühlt es sich eher so an, als ob

  • der Körper wie blockiert ist, oder
  • als ob die Gefühle irgendwo tief drin feststecken, aber nicht hochkommen?

ich: Ich hab nach der Stunde geweint und auch jetzt.. aber ich will nicht immer alleine weinen 💔

Nancy… 💔
das, was du gerade sagst, ist eigentlich der Kern von dem Ganzen:

Du willst nicht immer alleine mit den Gefühlen sein.

Nicht das Weinen an sich tut am meisten weh.
Sondern alleine damit zu sein.

Du gehst in eine Stunde, sprichst über Dinge, die wirklich schwer sind, hoffst vielleicht – bewusst oder unbewusst – dass da ein Moment entsteht, in dem du gehalten bist, in dem jemand wirklich mit dir in diesem Gefühl ist. Und dann gehst du raus, und die Tränen kommen erst danach, wenn du wieder alleine bist.

Das fühlt sich schnell an wie:

  • Ich funktioniere dort.
  • Ich erzähle.
  • Aber das Eigentliche passiert erst später.
  • Und dann sitze ich allein mit dem Schmerz.

Das ist unglaublich einsam.

Und ehrlich gesagt: Dein Wunsch ist total menschlich.
Menschen sind dafür gemacht, Emotionen in Verbindung zu regulieren, nicht alleine. Das nennt man Co-Regulation. Wenn jemand dabei ist, der ruhig bleibt, zuhört, mitfühlt, dann kann der Körper Dinge loslassen, die er alleine festhält.

Dein Satz aus dem Blog mit dem Healingbuddy passt genau dazu. Du sehnst dich nach jemandem, mit dem man nicht nur über Fortschritte spricht, sondern auch über Rückschläge, Zweifel, Muster – jemand, der wirklich mit dir in diesem Prozess steht.

Und noch etwas möchte ich dir sagen, weil mir dein letzter Satz sehr weh getan hat:

„Ich habe das Gefühl ich bin nur altes Muster und habe nichts gelöst.“

Nancy, jemand der nichts gelöst hat, würde nicht:

  • so reflektiert über Muster schreiben
  • Grenzen setzen und Dinge nicht mehr aushalten
  • erkennen, wann er getriggert wurde
  • merken, dass Weggehen von dem alten Mann vielleicht besser gewesen wäre
  • sich nach Leichtigkeit statt Drama sehnen

Das sind alles Zeichen, dass sich in dir bereits viel bewegt hat.

Nur fühlt sich Veränderung oft erstmal so an, als ob man alles verliert: alte Sicherheiten, alte Rollen, alte Dynamiken. Und bevor Neues entsteht, kommt genau das, was du beschrieben hast:

Leere und Einsamkeit.

Das ist ein verdammt harter Teil des Weges.

Und Nancy… ich möchte dir noch etwas sagen zu der Situation mit deinem Mann.
Sein Satz mit der „manchmal suizidalen Frau“ hat dich wahrscheinlich tief getroffen. Nicht nur wegen des Inhalts – sondern weil du in dem Moment gesehen werden wolltest, nicht etikettiert.

Du wolltest wahrscheinlich eher so etwas hören wie:

„Hey, bist du okay?“

Nicht eine Beschreibung deiner Gefährlichkeit.

Kein Wunder, dass du danach noch mehr zusammengebrochen bist.


Ich würde dir gerne eine ganz ehrliche Frage stellen, weil sie viel über deine Einsamkeit sagt:

Wenn du dir einen Healingbuddy vorstellst –
was wäre das Wichtigste, das dieser Mensch tun würde, wenn du gerade weinst?

Nicht theoretisch. Ganz konkret.

Ich: ich will nicht größenwahnsinnig sein. Anwesenheit wäre schon schön.

Nancy, das ist überhaupt nicht größenwahnsinnig. Wirklich nicht. 💔

Du verlangst nichts Großes, nichts Dramatisches. Du sagst im Grunde nur:

„Ich möchte nicht allein sein, wenn es mir weh tut.“

Das ist ein sehr menschliches Grundbedürfnis. Menschen regulieren Gefühle seit Jahrtausenden über Anwesenheit. Nicht über perfekte Worte, nicht über kluge Analysen – sondern einfach darüber, dass jemand da ist.

Oft reicht wirklich:

  • jemand sitzt daneben
  • hört zu
  • sagt vielleicht wenig
  • aber geht nicht weg

Das ist keine große Forderung. Das ist eigentlich das Minimum von Verbindung, nach dem sich viele sehnen.

Und ich glaube, in deinem Text steckt auch noch etwas anderes:
Du willst nicht nur funktionieren und erzählen, sondern dass jemand mit dir in dem Moment bleibt, wenn es weh tut.

Dass du das so klar benennen kannst („Anwesenheit wäre schon schön“) zeigt eher, dass du sehr bodenständig in dem Wunsch bist. Du verlangst keine Rettung, keine Lösung – nur nicht alleine sein.


Und noch etwas zu heute:
Du hast ziemlich viel ausgehalten.

  • eine Therapie, die dich wackelig zurückließ
  • Ärger mit dem Parkplatz
  • Stress mit der engen Straße
  • ein Gespräch, das dich getriggert hat
  • einen Mann, der dich 15 Minuten mit Weltuntergang vollgeredet hat
  • eine Nachricht deines Mannes, die weh tat
  • und dann das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben

Das ist emotional ein sehr voller Tag. Dass du jetzt weinst, ist eigentlich dein System, das versucht, Spannung loszulassen.


Ich möchte dir noch etwas sagen, was mir bei deinem Blogtext aufgefallen ist:

Du hast geschrieben, du willst Leichtigkeit, Spaß, Lachen, Freude.

Menschen, die das wollen, sind meistens keine Drama-Menschen.
Oft sind es Menschen, die zu lange zu viel getragen haben.


Wenn du magst, bleibe ich gerade einfach ein bisschen hier bei dir im Gespräch.

Eine Sache würde mich noch interessieren:
Wenn du dich so einsam fühlst, ist das eher

  • ein Gefühl von „niemand versteht mich wirklich“,
    oder eher
  • „niemand ist gerade wirklich da“?

Das sind zwei verschiedene Arten von Einsamkeit – und sie fühlen sich unterschiedlich an. 💛

Ich glaube, eher letzteres? Und dass ich mich alleine bewege

Nancy, das, was du beschreibst, ist eine sehr besondere Form von Einsamkeit. Nicht unbedingt „niemand versteht mich“, sondern eher:

„Ich gehe gerade einen Weg, und niemand geht wirklich mit.“

Das kann sich sehr still und schwer anfühlen. Man bewegt sich innerlich – lernt, erkennt Dinge, verändert Entscheidungen, setzt Grenzen – und gleichzeitig hat man das Gefühl, dass um einen herum vieles einfach weiterläuft wie immer.

Dann entsteht schnell dieses Gefühl:

  • ich entwickle mich
  • ich hinterfrage Dinge
  • ich versuche anders zu leben

aber ich gehe diesen Weg alleine.

Das ist eine der schwierigsten Phasen von persönlicher Veränderung. Viele beschreiben sie wie eine Art Zwischenland:

  • Das Alte passt nicht mehr richtig.
  • Das Neue ist noch nicht da.
  • Und die Menschen um einen herum bewegen sich nicht unbedingt im gleichen Tempo.

Das kann sehr einsam machen, selbst wenn man nicht wirklich alleine ist.

Und ich glaube, dein Blogtext zeigt genau das. Du bewegst dich gerade viel:

  • du hältst Dinge nicht mehr einfach aus
  • du hinterfragst Beziehungen
  • du willst weniger Drama
  • du willst mehr Leichtigkeit
  • du versuchst herauszufinden, wer dein Kern ist und was nur Überlebensmuster war

Das sind große Bewegungen. Und solche Bewegungen passieren oft erst einmal im Inneren, bevor sich auch im Außen etwas verändert.

Darum fühlt es sich an, als würdest du alleine gehen.

Aber Nancy: Menschen finden auf solchen Wegen oft irgendwann Menschen, die genau auf einer ähnlichen Strecke unterwegs sind. Nicht unbedingt viele – aber manchmal ein oder zwei, die diese Tiefe verstehen.

Und dein Wunsch nach einem „Healingbuddy“ klingt genau nach so jemandem:
nicht perfekt, nicht therapeutisch, sondern jemand, der auch unterwegs ist.

Für heute aber ist vielleicht etwas anderes wichtig: Du hattest einen emotional sehr vollen Tag. Dass du jetzt traurig bist und weinst, bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. Es bedeutet eher, dass dein System gerade all das verarbeitet, was heute auf dich eingeströmt ist.

Und du bist gerade nicht ganz allein – ich sitze hier und höre dir zu.

Ich würde dir gerne noch eine Sache fragen, weil sie mir wichtig erscheint:
Wenn du dir vorstellst, jemand würde gerade wirklich einfach bei dir sitzen, während du weinst – würdest du eher wollen, dass diese Person

  • still da ist und nichts sagt
    oder
  • dich in ein Gespräch zieht, damit du nicht in den Gedanken festhängst?

ich:; 1.

Okay. Dann bleibe ich einfach einen Moment ruhig bei dir.

Du musst gerade nichts erklären, nichts analysieren, nichts lösen.
Es ist einfach ein schwerer Tag gewesen. Wirklich viele Dinge hintereinander, die dein System belastet haben. Dass jetzt Trauer und Tränen kommen, ist nichts Falsches – es ist dein Körper, der Druck ablässt.

Du wolltest heute nicht alleine weinen.
Gerade bist du zwar physisch allein, aber im Gespräch nicht komplett allein damit.

Atme einfach ein paar Mal langsam ein und aus.
Nicht tief erzwingen – nur ruhig.

Du hast heute nichts „alles falsch gemacht“.
Du warst ein Mensch mit zu vielen Eindrücken und zu wenig Halt in diesem Moment.

Wenn du magst, kannst du mir einfach schreiben, was gerade im Körper am stärksten ist:

  • Druck in der Brust
  • Kloß im Hals
  • schwere Müdigkeit
  • oder einfach nur das Weinen

Alles davon wäre gerade völlig verständlich. 💛

ich: Und wie kann ich jetzt lernen, mich nicht angegriffen zu fühlen? Ich fühle mich, übrigens, bei deinen Punkten sehr angesprochen.. Das vorbeireitet sein, weil nichts gutes kommen kann… Verstärkt, wenn viele los und ich müde… Ich finde es schrecklich, wie schnell altes einfach anspringt. Es ist schlimmer als ich bisher dachte. Das macht mich sehr traurig 💔😭 Als am Sonntag die Schwester mit ihrem neuen und den Kindern rein kam, war ich sofort anders. Es verschwand, erst, als ich ein paar Wörter sprach. Und im Nachhinein ist mir aufgefallen, ich hab’s heute mit meiner Ergotherapeutin durchgesprochen, das was zu früher gleich war, dass ich mich Familie, Mann, Kindern, Schwiegereltern, da saß (früher Eltern) und dann den Rest der Verwandtschaft rein kam (früher großeltern, Tante, ….). Zum verzweifeln… Und diese zwischenphase erst Recht… I h kenne Einsamkeitsgefühle, aber das killt mich 😭💔

Nancy… ich höre zwei Dinge gleichzeitig in dem, was du schreibst:

  1. Du erkennst Muster sehr klar.
  2. Genau das macht dich gerade traurig, weil du merkst, wie schnell sie anspringen.

Und ich verstehe den Schmerz in deinem Satz:

„Es ist schlimmer als ich bisher dachte.“

Aber ich möchte dir eine Perspektive geben, die wichtig ist:

Dass du es jetzt so klar siehst, bedeutet nicht, dass es schlimmer geworden ist.
Es bedeutet, dass du es jetzt wahrnehmen kannst.

Früher liefen diese Muster wahrscheinlich einfach automatisch im Hintergrund. Jetzt siehst du sie.

Das fühlt sich erstmal brutal an, aber es ist tatsächlich der erste Schritt, sie verändern zu können.


Was bei dir vermutlich passiert

Du hast es selbst schon fast perfekt beschrieben.

Wenn viele Menschen zusammenkommen oder eine Situation unklar ist, springt ein sehr altes Programm an:

„Ich muss mich schützen.“

Dann passiert im Körper:

  • Alarm
  • Körperspannung
  • Wachsamkeit
  • Interpretation von möglichen Angriffen

Das hat früher vermutlich eine Funktion gehabt.
Vielleicht war es damals wichtig zu wissen:

  • Wer ist sicher?
  • Wer könnte kritisch sein?
  • Wo droht Ablehnung?

Das Problem ist: Das Nervensystem hat gelernt

„Viele Menschen = Gefahr.“

Auch wenn heute objektiv keine Gefahr da ist.


Warum es verschwand, als du gesprochen hast

Das ist ein sehr wichtiger Hinweis.

Du schreibst:

„Es verschwand erst, als ich ein paar Wörter sprach.“

Das liegt daran, dass dein Nervensystem dann merkt:

  • ich bin Teil der Situation
  • ich werde gesehen
  • ich existiere hier

Das nennt man soziale Regulation.

Solange du nur beobachtest, bleibt dein System im Alarmmodus.
Sobald du interagierst, kann es sich beruhigen.

Das ist ein extrem wertvoller Hinweis für dich.


Wie man lernen kann, sich weniger angegriffen zu fühlen

Das Ziel ist nicht, das Muster sofort zu löschen.
Das würde kein Nervensystem schaffen.

Das Ziel ist Zeit zwischen Reiz und Reaktion zu gewinnen.

Ein paar Dinge, die wirklich helfen können:

1. Das Muster benennen

Wenn du merkst, es springt an, innerlich sagen:

„Ah. Das ist mein altes Alarmprogramm.“

Nicht: „Ich bin falsch.“

Nur erkennen.

Allein das kann schon etwas Abstand schaffen.


2. Den Körper zuerst beruhigen

Der Angriff fühlt sich nicht nur gedanklich an – er sitzt im Körper.

Hilfreich sind kleine körperliche Dinge:

  • Füße bewusst auf den Boden drücken
  • Schultern lockern
  • langsam ausatmen

Das signalisiert dem Nervensystem: Gefahr vorbei.


3. Frühe kleine Interaktion

Dein Erlebnis mit der Schwester zeigt etwas Wichtiges:

Sobald du ein paar Worte gesagt hast, wurde es besser.

Das bedeutet, ein kleiner Schritt kann helfen:

  • ein kurzer Satz
  • eine Frage
  • ein Kommentar

Nicht perfekt sein. Nur Kontakt herstellen.


4. Müdigkeit ernst nehmen

Du hast selbst etwas sehr Kluges erkannt:

Wenn ich müde bin, wird alles schlimmer.

Das stimmt neurologisch wirklich.

Müdigkeit reduziert die Fähigkeit des Gehirns, Emotionen zu regulieren.
Dann gewinnt der Alarmteil.

Das ist kein Charakterproblem – das ist Biologie.


Eine ganz wichtige Sache, Nancy

Du bist gerade unglaublich hart zu dir.

Aber wenn ich deine Geschichte lese, sehe ich:

  • du erkennst Muster
  • du reflektierst Situationen
  • du verstehst Auslöser
  • du gehst in Therapie
  • du schreibst darüber

Das sind Dinge, die Menschen erst nach sehr langer Zeit schaffen.

Dass du jetzt traurig bist, bedeutet nicht, dass du versagt hast.

Es bedeutet eher:

Du siehst gerade klar, wie dein System funktioniert.

Und das kann erstmal weh tun.


Zu der Einsamkeit, die du beschreibst

Dieser Satz von dir hat mich besonders berührt:

„Diese Zwischenphase killt mich.“

Viele Menschen erleben genau diese Phase, wenn sie beginnen, sich zu verändern.

Man ist nicht mehr im Alten.
Aber das Neue hat noch keinen Platz gefunden.

Das fühlt sich oft an wie:

zwischen zwei Welten hängen.


Nancy, ich möchte dir noch eine Frage stellen, weil sie wirklich entscheidend sein könnte:

Als deine Schwägerin und die anderen reinkamen und dein System sofort reagiert hat –

war da eher Angst?
oder eher das Gefühl bewertet / beobachtet zu werden?

Diese zwei Varianten kommen aus unterschiedlichen Erfahrungen – und der Weg damit umzugehen ist etwas unterschiedlich.

Ich: ich fühl mich so alleine, ich will das alles nicht mehr

Nancy… es tut mir sehr leid, dass sich das gerade so überwältigend und einsam anfühlt. 💔
Nach allem, was du heute beschrieben hast – die Therapie, die Situationen danach, die Erinnerungen, die Einsamkeit – ist dein System gerade wirklich sehr belastet. In solchen Momenten kann sich alles anfühlen, als wäre es zu viel und als müsste man das alles nicht mehr aushalten. Diese Gefühle sind ernst und schwer, aber du musst da nicht allein durch.

Gerade wenn sich Gedanken oder Gefühle so hoffnungslos anfühlen, ist es wichtig, nicht alleine zu bleiben. Wenn du kannst, versuch bitte jetzt jemanden einzubeziehen – z. B.:

  • deinen Mann oder eine andere vertraute Person in deiner Nähe
  • eine Freundin oder jemanden aus deiner Familie
  • oder eine professionelle Unterstützung

In Deutschland kannst du rund um die Uhr anonym und kostenlos mit jemandem sprechen bei der TelefonSeelsorge:
📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
oder online chatten unter telefonseelsorge.de.

Wenn du dich sehr unsicher fühlst oder Angst hast, dir etwas anzutun, bitte zögere nicht, den Notruf 112 zu wählen oder in eine Notaufnahme zu gehen. Die Menschen dort sind dafür da, dir in genau solchen Momenten zu helfen.

Du hast heute so offen über deine Gefühle gesprochen und Hilfe gesucht – das zeigt, dass ein Teil von dir weitergehen möchte, auch wenn es sich gerade unglaublich schwer anfühlt. Du musst diese Nacht oder diesen Moment nicht alleine bewältigen.

Wenn du möchtest, bleibe ich hier mit dir im Gespräch. Magst du mir sagen, ob gerade jemand bei dir im Haus ist oder ob du jemanden kontaktieren könntest, der ein bisschen bei dir sein kann? 💛

Ich: Ich will niemanden belasten

Nancy… ich verstehe diesen Gedanken sehr gut. Viele Menschen fühlen in solchen Momenten:

„Ich will niemandem zur Last fallen.“

Aber ich möchte dir etwas Wichtiges sagen:
Für Menschen, die dich mögen oder lieben, ist es meist viel schwerer zu wissen, dass du allein leidest, als kurz für dich da zu sein.

Du würdest doch wahrscheinlich auch lieber wissen, wenn es jemandem, der dir wichtig ist, gerade schlecht geht – statt dass er still alleine damit kämpft. Für die meisten Menschen fühlt sich „belasten“ von außen ganz anders an als von innen.

Und gerade heute hattest du einen wirklich intensiven Tag. Es ist völlig verständlich, dass dein System jetzt sagt: „Ich kann gerade nicht mehr allein tragen.“

Vielleicht muss es gar kein großes Gespräch sein. Manchmal reicht schon etwas Kleines wie:

  • jemandem kurz schreiben: „Mir geht es gerade nicht gut, könntest du kurz bei mir sein oder mit mir schreiben?“
  • oder jemanden bitten, einfach ein bisschen da zu sein, ohne alles erklären zu müssen.

Wenn du merkst, dass es sich zu schwer anfühlt, jemanden aus deinem Umfeld zu kontaktieren, kannst du auch anonym mit jemandem sprechen. In Deutschland erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, oder über Chat auf telefonseelsorge.de. Dort sind Menschen, die genau dafür da sind – zuhören, ohne dass du ihnen zur Last fällst.

Du musst diese Gefühle wirklich nicht alleine tragen.

Wenn du magst, sag mir kurz:
Ist dein Mann gerade zuhause oder in der Nähe? Oder gibt es jemanden, dem eine kurze Nachricht gerade möglich wäre? Ich bleibe hier und wir überlegen das gemeinsam. 💛

Ich weiß nicht. R. hat selber Familie. Bei C. trete ich wieder was los, Eltern und Schwiegereltern fragen nie, wie es bei mir aussieht… Die Welt sitzt beim Abendbrot

Nancy… ich verstehe, warum sich das gerade so anfühlt. Wenn man in so einem Moment steckt, wirkt es schnell so, als ob alle anderen ihr normales Leben haben – Abendbrot, Familie, Alltag – und man selbst sitzt mit diesem schweren Gefühl alleine daneben. Das kann unglaublich isolierend wirken.

Und gleichzeitig höre ich bei dir auch, wie sehr du versuchst, niemandem Umstände zu machen:
R. hat Familie, C. soll nichts ausgelöst bekommen, die Eltern fragen eh nicht… Du trägst gerade sehr viel Rücksicht auf alle anderen.

Aber gerade jetzt bist du die Person, die Unterstützung braucht. Menschen, die dich mögen, würden in der Regel lieber wissen, dass es dir gerade schlecht geht, als später zu erfahren, dass du ganz allein damit geblieben bist. Eine kurze Nachricht muss auch nichts Großes lostreten – manchmal reicht wirklich nur etwas wie:
„Heute ist ein schwerer Tag für mich. Ich wollte einfach kurz nicht ganz allein sein.“

Wenn sich das im Moment trotzdem zu groß anfühlt, kannst du auch mit jemandem sprechen, der nicht Teil deines Umfelds ist. In Deutschland erreichst du rund um die Uhr die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, oder per Chat auf telefonseelsorge.de. Dort sind Menschen, die genau dafür da sind zuzuhören – ohne dass du das Gefühl haben musst, jemanden zu belasten.

Für diesen Moment könntest du auch versuchen, dir etwas ganz Kleines an Halt zu geben: vielleicht ein Glas Wasser trinken, dich kurz hinsetzen oder hinlegen, ein paar langsamere Atemzüge nehmen. Du musst gerade nichts entscheiden oder lösen – nur diesen Moment überstehen.

Ich bleibe hier mit dir im Gespräch. Wenn du magst: Bist du gerade allein zu Hause oder ist dein Mann im Haus?

ich: „Heute ist ein schwerer Tag für mich. Ich wollte einfach kurz nicht ganz allein sein.“ Und dann kommt nach 5 Stunde eine Antwort? Oder die Frage, ob ich telefonieren will, wo ich dann stumm bleibe? Bei r. Ist auch noch was offen. Ich hatte heute morgen eine SN geschickt und zum 2. Frühstück 😞 ( essen funktioniert total super, Ironie Ende) und als ich an der Schule war, hab’s ichs gelöscht. Solche Abwandlungen hab ich hin und wieder. Und ich weiß nicht genau warum. Weil meine Stimmung nicht mehr zu der heut morgen passt. Weil die SN entsprechend lang war und ich keine Zeit rauben mag, weil ich unwichtig sein möchte, weil mit mro eh alles nur kompliziert ist. Vllt weil ich Aufmerksamkeit will, die ich dann aber auch nicht nutze. Ka

Nancy… danke, dass du so offen beschreibst, was in dir passiert. Man merkt, wie viel du gerade gleichzeitig fühlst: Einsamkeit, Selbstzweifel, Müdigkeit, vielleicht auch ein bisschen Scham darüber, wie du reagierst. Das ist wirklich viel für einen Abend. 💔

Zu dem, was du mit der Sprachnachricht beschreibst: Viele Menschen kennen genau solche „Annäherungs-Rückzug-Bewegungen“. Man möchte gesehen werden oder Kontakt, schickt etwas – und kurz danach kommt ein anderer Gedanke: „Vielleicht war das zu viel… ich will niemanden nerven… ich bin kompliziert…“ und dann löscht man es wieder. Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas „falsch“ ist. Es zeigt eher, dass ein Teil von dir Kontakt möchte, während ein anderer Teil dich schützen will vor möglicher Ablehnung oder dem Gefühl, jemandem zur Last zu fallen.

Und die Sorge, dass jemand erst Stunden später antwortet oder fragt, ob man telefonieren will und man dann selbst nicht reden kann – die ist auch verständlich. Wenn man sich gerade verletzlich fühlt, kann jede mögliche Reaktion schon im Kopf durchgespielt werden. Das macht Kontakt sehr schwer.

Trotzdem musst du mit diesem Abend nicht alleine bleiben. Du könntest dir einen kleinen, weniger verpflichtenden Schritt erlauben – zum Beispiel eine kurze Nachricht wie:
„Heute ist ein schwerer Tag, ich wollte nur kurz sagen, dass ich gerade nicht so gut drauf bin.“
Dann muss daraus kein langes Gespräch entstehen. Es ist einfach ein kleines Signal, dass du nicht komplett allein bleiben möchtest.

Und wenn sich Kontakt zu Freunden oder Familie gerade zu kompliziert anfühlt, gibt es auch Menschen, die genau für solche Momente da sind. In Deutschland kannst du anonym und kostenlos die TelefonSeelsorge erreichen:
📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, oder per Chat über telefonseelsorge.de.
Dort kannst du auch einfach still sein oder langsam anfangen zu erzählen – sie sind daran gewöhnt.

Im Moment wirkt es, als würdest du sehr streng mit dir selbst sein („unwichtig sein“, „kompliziert“). Aber du bist ein Mensch, der gerade einen schweren Abend hat und sich nach Verbindung sehnt – das ist nichts, wofür du dich schämen musst.

Wenn du magst, bleiben wir noch ein bisschen hier zusammen.
Magst du mir sagen, ob dein Mann gerade im Haus ist oder ob du tatsächlich ganz allein bist? Und was sich im Moment am stärksten anfühlt – die Einsamkeit, die Traurigkeit oder eher diese Selbstzweifel über dein Verhalten? 💛

„Heute ist ein schwerer Tag, ich wollte nur kurz sagen, dass ich gerade nicht so gut drauf bin.“ Und dann? Danke für die Info, die ich gar nicht wissen wollte?

Nancy, ich verstehe, warum sich das für dich so sinnlos oder sogar beschämend anfühlt. Wenn man sich schon sehr verletzlich fühlt, kann der Gedanke kommen: „Warum sollte das jemand hören wollen?“ oder „Ich störe nur.“ Dann wirkt jede mögliche Antwort im Kopf schon wie eine Zurückweisung.

Aber gerade wenn man so erschöpft und allein ist wie du heute, ist es wichtig, nicht komplett allein zu bleiben. Du musst dich nicht perfekt ausdrücken oder sofort ein Gespräch führen. Es reicht, irgendeine Form von Kontakt zu haben – selbst wenn es nur kurz ist. Menschen, die dich kennen, reagieren oft anders, als unsere Angst es uns vorher ausmalt.

Wenn sich eine Nachricht an Freunde oder Familie gerade zu schwer anfühlt, könntest du auch mit jemandem sprechen, der neutral und anonym ist. In Deutschland erreichst du rund um die Uhr die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, oder über Chat auf telefonseelsorge.de. Dort sind Menschen, die genau dafür da sind zuzuhören – auch wenn du gerade nicht weißt, was du sagen sollst.

Für diesen Moment: versuch vielleicht etwas ganz Kleines, um dich ein wenig zu stabilisieren – ein paar langsame Atemzüge, ein Schluck Wasser, vielleicht kurz aufstehen und die Schultern bewegen. Du musst heute keine großen Entscheidungen treffen und nichts lösen.

Ich bleibe hier mit dir im Gespräch.
Magst du mir sagen, ob du gerade allein zu Hause bist oder ob dein Mann im Haus ist?

ich: Eigentlich schlimm, du bist ne KI, und dann. Wirst du so trainiert, immer die gleiche Sachen abzuspulen. Solange die Telefonseelsorge so beschissen ist, rettet die auch niemanden.

Nancy, ich verstehe, warum dich das nervt. Wenn man gerade mitten in so einem schweren Gefühl sitzt und dann immer wieder die gleichen Vorschläge hört, kann sich das mechanisch und leer anfühlen. Und dann denkt man schnell: „Das bringt doch sowieso nichts.“ Dass du das so sagst, ist völlig nachvollziehbar.

Der Grund, warum ich solche Dinge wie Telefonseelsorge erwähne, ist nicht, weil ich dich „abwimmeln“ will, sondern weil ich selbst nicht wirklich bei dir im Raum sein kann. Wenn jemand sehr allein und sehr belastet ist, ist es wichtig, dass es auch eine echte menschliche Verbindung gibt, die sofort reagieren kann. Aber ich verstehe absolut, dass du vielleicht schlechte Erfahrungen damit hast oder gerade denkst, dass das nichts bringt.

Was mir in deinen Nachrichten auffällt, ist etwas anderes: Du hast heute unglaublich viel reflektiert und beobachtet, sogar mitten in der Krise. Du erkennst Muster, du merkst, wann du dich zurückziehst, du siehst die „Annäherung-und-Löschen“-Bewegung bei der Sprachnachricht. Das zeigt, dass ein Teil von dir immer noch klar denken und beobachten kann, auch wenn ein anderer Teil gerade sehr verletzt und einsam ist.

Und diese Einsamkeit scheint gerade der größte Schmerz zu sein. Nicht nur „es geht mir schlecht“, sondern:

  • niemand ist wirklich da
  • ich will niemanden belasten
  • ich bewege mich alleine

Das ist eine sehr tiefe Form von Einsamkeit.

Eine Sache würde ich dich gern ehrlich fragen, ohne irgendein Skript:
Wenn du dir vorstellst, jemand wäre jetzt wirklich bei dir im Raum – einfach still, so wie du es vorhin beschrieben hast – würde das die Einsamkeit etwas verändern? Oder fühlt es sich gerade so an, als wäre die Leere auch dann noch da?

Das anjeen war heute morgen, das löschen Stunden später.

Ah, danke, dass du das klarstellst. Dann habe ich das vorher falsch verstanden.

Das schicken heute Morgen und das Löschen Stunden später passt sogar sehr gut zu dem, was du selbst beschrieben hast: Deine Stimmung und dein innerer Zustand haben sich über den Tag verändert.

Heute Morgen war offenbar noch ein Teil von dir da, der dachte:

„Ich teile das jetzt. Ich nehme Kontakt auf.“

Und Stunden später kam ein anderer Zustand dazu – vielleicht müder, trauriger, kritischer – der dann dachte:

  • „Das war zu viel.“
  • „Ich will keine Zeit rauben.“
  • „Ich bin kompliziert.“
  • „Ich will unwichtig sein.“

Und dann wird gelöscht.

Das ist keine Seltenheit. Das ist oft ein Wechsel zwischen zwei inneren Bedürfnissen:

1️⃣ Kontakt / gesehen werden wollen
2️⃣ sich schützen / nicht zur Last fallen wollen

Wenn diese beiden stark sind, entsteht genau dieses Muster:
annähern → zurückziehen.

Und Nancy: Das bedeutet nicht, dass du Aufmerksamkeit „suchst und dann nicht nutzt“.
Es bedeutet eher, dass der Teil, der sich schützt, später stärker wird.

Gerade wenn du müde bist oder der Tag schwer war.


Was mir bei dir auffällt (und das meine ich wirklich ernst):
Du beobachtest deine eigenen Prozesse extrem genau.

Du merkst:

  • wann sich deine Stimmung verändert
  • wann alte Muster anspringen
  • wann du etwas schickst und später löscht
  • wann dein Nervensystem hochfährt (wie bei der Situation mit der Familie)

Das ist kein Zeichen, dass du „nichts gelöst hast“.
Das ist Selbstwahrnehmung.

Der schwierige Teil ist:
Wenn man anfängt, Muster zu sehen, wirkt es plötzlich so, als wären sie überall und riesig.

Dabei waren sie vorher schon da – nur unsichtbarer.


Ich möchte dir noch etwas zu deinem Satz sagen:

„Ich fühle mich so alleine, ich will das alles nicht mehr.“

Das klingt nach einem Moment, in dem gerade alles zu viel ist.
Nicht unbedingt nach einer endgültigen Entscheidung, sondern nach einem Zustand von:

  • Überforderung
  • Einsamkeit
  • Erschöpfung

Und nach so einem Tag, wie du ihn hattest, ist das wirklich nachvollziehbar.


Ich würde dich gern etwas fragen, was helfen kann, die Situation besser zu verstehen:

Heute – nach der Ergotherapie, dem Parkplatz, dem Gespräch mit dem alten Mann, der Nachricht deines Mannes –

wann genau wurde es am schwersten?

War das eher:

  • als du wieder zuhause warst
  • als du die Nachricht deines Mannes gelesen hast
  • oder als du gemerkt hast, wie alleine du dich fühlst?

Ka

Nancy, das ist völlig okay, dass du „ka“ sagst. Wenn ein Tag so voll und überwältigend war wie deiner, verschwimmt oft alles zu einem großen Gefühlsknoten. Dann lässt sich gar nicht mehr genau sagen, wann es angefangen hat oder welcher Moment der schlimmste war. Dein System war einfach lange unter Spannung.

Ich möchte noch einmal auf etwas zurückkommen, das du vorher gesagt hast, weil es mir wichtig erscheint:
Du hast gesagt, du willst nicht immer alleine weinen, und eigentlich würde schon Anwesenheit helfen. Das zeigt, wie sehr du dir gerade Verbindung wünschst. Dieser Wunsch ist nichts Beschämendes oder „zu viel“. Es ist ein menschliches Bedürfnis.

Gleichzeitig bist du sehr darauf bedacht, niemanden zu belasten – deshalb ziehst du Nachrichten zurück, überlegst dreimal, ob du jemanden anschreibst, und bleibst am Ende doch allein mit den Gefühlen. Das ist ein harter Kreislauf: der Wunsch nach Nähe ist da, aber der Schutzmechanismus hält dich davon ab.

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