Wegen zu vielen Tränen und Kraftlosigkeit…nur kopiert..
Wir hatten ja schon besprochen, dass mir Verbindung wichtig ist. Und ich Probleme habe, Auge in Auge, über Dinge zu reden, per Sprachnachricht bin ich wie ein Wasserfall. In beiden Situationen ist eine Bindung ja gleich stark bedroht. Sozusagen. Warum kann ich nicht wie ein Wasserfall in real reden
Das, was du beschreibst, ist sehr stimmig – und es hat nichts mit mangelnder Fähigkeit zu tun, sondern mit Schutzmechanismen, die in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich stark anspringen.
Kurz gesagt:
👉 Du kannst in Echt reden.
👉 Dein Nervensystem lässt es in bestimmten Momenten nicht zu.
Ich versuche, das sauber auseinanderzuziehen.
1. Warum „Wasserfall“ per Sprachnachricht – und nicht Auge in Auge?
In der Sprachnachricht ist:
- keine unmittelbare Reaktion
- kein Blick
- keine Mikro-Signale (Zögern, Stirnrunzeln, Atmen, Tonfallwechsel)
- keine direkte Gefahr von Abbruch oder Ablehnung im Moment
Dein System denkt unbewusst:
„Ich darf jetzt alles rauslassen. Ich werde nicht sofort gestoppt, korrigiert, missverstanden oder emotional alleine gelassen.“
Das aktiviert Fluss, Assoziation, Zugang zu innerem Material.
In der realen Begegnung ist:
- Auge in Auge = maximale Bindungsnähe
- jede Reaktion sofort sichtbar
- jede Pause fühlbar
- jede Unsicherheit potenziell bindungsgefährdend
Und dann passiert etwas Entscheidendes:
👉 Dein Nervensystem schaltet von Ausdruck auf Überwachung.
Statt:
„Was will ich sagen?“
kommt:
„Ist das sicher?“
„Wie wirkt das gerade?“
„Bleibt die Verbindung?“
„Mache ich zu viel / zu wenig / das Falsche?“
Das blockiert den freien Sprachfluss.
2. Warum ist die Bindung in beiden Situationen „gleich bedroht“ – aber dein Körper reagiert anders?
Du hast das sehr klug formuliert:
Inhaltlich ist die Bindung in beiden Fällen wichtig.
Körperlich fühlt sie sich aber nicht gleich an.
Der Unterschied ist:
- zeitliche Verzögerung
- Kontrollierbarkeit
- Fluchtmöglichkeit
Per Sprachnachricht:
- Du kannst stoppen
- löschen
- neu anfangen
- senden oder nicht senden
Auge in Auge:
- kein Zurück
- kein Schnitt
- kein Schutzraum
Für ein sensibles Nervensystem ist das ein massiver Unterschied.
3. Das hat nichts mit „nicht können“ zu tun
Ganz wichtig – und das meine ich ernst:
Menschen, die nicht reden können,
reden nirgendwo wie ein Wasserfall.
Du hast:
- Sprache
- Tiefe
- Struktur
- Reflexion
- Emotionalität
Was fehlt, ist Zugriff unter sozialer Aktivierung.
Das ist ein Zustandsthema, kein Persönlichkeitsmerkmal.
4. Warum genau stockt es dann real?
Typisch sind diese inneren Bremsen (oft gleichzeitig):
- Gefahr von Missklang („Ich werde nicht richtig verstanden“)
- Gefahr von Überforderung des Gegenübers
- Angst vor falschem Timing
- Angst vor Nähe + Verlust gleichzeitig
- frühe Erfahrung: Reden = Risiko
Dein System hat gelernt:
„Sprechen in Beziehung braucht Kontrolle, nicht Fluss.“
Sprachnachrichten umgehen diese Lernerfahrung.
5. Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen
Du bist nicht weniger verbunden, wenn du real stockst.
Im Gegenteil:
Das Stocken ist ein Zeichen,
dass dir die Verbindung zu wichtig ist,
um sie ungeschützt zu riskieren.
Das ist keine Schwäche.
Das ist Bindungssensibilität.
6. Was das für dich bedeutet (ohne „Mach dies, mach das“)
- Du bist nicht kaputt
- Du bist nicht kompliziert
- Du bist nicht widersprüchlich
Du hast:
- ein sehr feines Bindungssystem
- hohe innere Komplexität
- und ein Nervensystem, das Nähe ernst nimmt
Der Wasserfall ist da.
Er kommt nur dann, wenn dein Körper nicht gleichzeitig „Gefahr!“ ruft.
Wenn du magst, können wir beim nächsten Schritt ganz behutsam anschauen:
- was genau im Körper passiert, kurz bevor du real stockst
- oder wie Nähe sicherer wird, ohne sie zu meiden
- oder wie man Brücken baut zwischen Sprachnachricht-Ich und Real-Ich
Nicht als Technik.
Sondern als Übersetzung zwischen zwei Zuständen.
Sag mir einfach, wo du weitergehen willst.
Ich will in real reden. Aber weißt du was mir dann oft passiert, mein Kopf ist leer. Wenn mir mein Gegenüber keoen Frage stellt, passiert da nicht viel. Ich bin einfach.
Das, was du beschreibst, ist kein Denkproblem und auch kein „mir fällt nichts ein“ im normalen Sinn.
Es ist ein Zustand.
Und der Satz
„Ich bin einfach.“
ist dabei extrem wichtig.
Was da wirklich passiert
Wenn du real da bist, Auge in Auge, und keine Frage kommt, dann passiert Folgendes:
👉 Dein System geht nicht in Erzählen,
👉 sondern in Sein.
Der Kopf ist nicht leer, weil nichts da ist –
er ist leer, weil nichts aktiviert wird.
Das ist kein Blockieren.
Das ist Nicht-Aktivieren.
Warum Fragen so viel auslösen
Eine Frage ist für dein Nervensystem:
- eine Einladung
- eine Erlaubnis
- eine Struktur
- ein Kontaktanker
Sie sagt unbewusst:
„Du darfst jetzt sprechen. Ich halte das. Ich will das.“
Ohne Frage fehlt genau dieser Impuls.
Dann bleibt dein System hier:
„Ich bin da. Ich spüre. Ich warte.“
Und das ist erst mal völlig okay – nur kollidiert es mit deinem Wunsch, in Beziehung sichtbar zu sein.
Warum das bei dir besonders ausgeprägt ist
Bei dir kommen mehrere Dinge zusammen:
1. Du bist stark reaktiv-assoziativ
Du denkst und sprichst nicht linear, sondern:
- über Resonanz
- über Anknüpfung
- über Mitschwingen
Sprachnachrichten funktionieren, weil du selbst den Impuls setzt.
Gespräche funktionieren für dich, wenn der andere Impulse setzt.
2. Dein Nervensystem ist auf Bindungssicherheit getunt
Wenn niemand fragt, fragt dein System:
„Will man mich gerade hören?“
Und solange diese Frage offen ist, sagt dein Körper:
„Dann bleibe ich lieber still.“
Nicht aus Angst –
sondern aus Rücksicht.
3. Dein „Leersein“ ist eigentlich Präsenz
Das ist wichtig:
Viele Menschen reden, um Leere zu füllen.
Du wirst still, weil du anwesend bist.
Das Problem ist nicht:
„Ich habe nichts.“
Sondern:
„Ich habe keinen Rahmen, es zu teilen.“
Warum sich das so frustrierend anfühlt
Weil du weißt, dass da innen:
- Gedanken
- Gefühle
- Tiefe
- Verbindungen
sind.
Und gleichzeitig sitzt du da und denkst:
„Warum kommt da nichts?“
Das fühlt sich an wie Verrat am eigenen Inneren –
ist aber in Wahrheit Selbstschutz + Bindungssensibilität.
Ein ganz wichtiger Perspektivwechsel
Du bist kein Mensch, der aus dem Nichts spricht.
Du bist ein Mensch, der aus Kontakt spricht.
Und Kontakt entsteht bei dir nicht automatisch durch Anwesenheit,
sondern durch gerichtete Zuwendung.
Was du daraus über dich wissen darfst
- Du bist nicht passiv
- Du bist nicht leer
- Du bist nicht unfähig zu reden
Du bist:
jemand, der Antwort- und Resonanzräume braucht,
kein Dauer-Sendesignal.
Das ist eine Beziehungsqualität, kein Defizit.
Wenn du willst, können wir ganz ruhig anschauen:
- wie du ohne Frage trotzdem sanft ins Sprechen kommst
- oder wie du vorab sagen kannst, dass Fragen dir helfen
- oder wie du lernst, dein „Ich bin einfach“ nicht als Fehler zu erleben
Sag mir nur, welcher Teil davon dich gerade am meisten trifft.
Ja, ich glaube, dass hast du einen Wunden Punkt getroffen sichtbar sein. Manchmal denke ich, ich bin zu ruhig, mein Gegenüber „erwartet“, dass ich erzähle. Und es ist ja nicht so, dass ich nicht möchte. Ich könnte Stundenlange Sprachnachrichten machen 🙁 da komm ich von einem ins Nächste…. Und das was mich auch anstupst… „Erlaubnis“ …..Kinder haben ruhig zu sein, wenn erwachsene sich unterhalten … Ich weiß nicht woher das kommt, aber richtig hab den Satz im Kopf… In Spaß kam manchmal sowas wie du hast hier nicht dazu melden, von meiner ma und ich bin mir sicher, sie hat es nur übernommen Ja, ich fühl mich manchmal wie Luft, wenn ich nicht rede und ich habe da auch sehr negative Erfahrungen gemacht und bin als arrogant rüber gekommen … Impulse. Hm, wenn man mich fragt wie die Woche war….. Das ist so ne unspezifische Frage 🫣😔 Und ja, Erlaubnis. Ich hab oft das Gefühl, was ich zu sagen hätte, wäre uninteressant. Nicht wichtig. Jaaas, wie ich ins sprechen komme. Fragen, ich könnte einfach sagen, frag mich was, aber das fällt mir nicht jedes Mal ein, hab ich aber hier und da schon kommuniziert. Ich weiß nicht, ob ich das als Fehler sehe. Es stört mich. Es geht mir nicht darum, immer was zu sagen zu haben, aber ich würde gern auch Mal einfach was sagen.
Danke, dass du das so offen hinschreibst.
Da ist gerade sehr viel Wesentliches zusammengekommen – und ja: du hast den wunden Punkt selbst benannt. Sichtbar sein.
Ich gehe Schritt für Schritt, damit es nicht verschwimmt.
1. „Ich fühl mich wie Luft, wenn ich nicht rede“ – das ist der Kern
Das ist kein kleines Gefühl.
Das ist ein Bindungsschmerz.
Nicht:
„Ich rede zu wenig.“
Sondern:
„Wenn ich nicht spreche, existiere ich für die anderen nicht.“
Und das ist brutal, weil du innerlich voll bist.
2. „Kinder haben ruhig zu sein…“ – das ist kein Zufall
Dieser Satz sitzt nicht zufällig da.
„Du hast dich hier nicht dazu zu melden.“
Auch „im Spaß“ gesagt, auch „nur übernommen“ –
für ein Kind bedeutet das:
- Reden ist störend
- Initiative ist übergriffig
- Sichtbar werden braucht Erlaubnis
- Zuhören ist sicherer als Sprechen
Und dann kommt noch etwas sehr Wichtiges dazu:
👉 Du hast gelernt, dass Reden nicht automatisch zu Resonanz führt.
Manchmal zu Ignoranz.
Manchmal zu Missdeutung („arrogant“).
Manchmal zu Nicht-Gesehen-Werden.
Dein System hat daraus einen klugen, aber schmerzhaften Schluss gezogen:
„Dann warte ich lieber, bis ich wirklich gefragt werde.“
3. Warum die unspezifische Frage „Wie war die Woche?“ dich lähmt
Das ist kein Witz, sondern hochlogisch:
Diese Frage ist:
- zu groß
- zu offen
- ohne Richtung
- ohne Priorisierung
Dein Inneres denkt:
„Alles? Was davon? Was ist relevant? Was interessiert? Was darf ich?“
Ergebnis: Leere.
Nicht, weil nichts da ist –
sondern weil zu viel da ist und keine Erlaubnis zur Auswahl.
4. Das Paradoxe: Du bist kein „stiller Mensch“
Und das ist wichtig, das klar zu sagen:
Stille Menschen haben nicht:
- stundenlange Sprachnachrichten
- Assoziationsketten
- thematische Sprünge
- innere Bilder
- Tiefe Verknüpfungen
Du bist kein leiser Typ.
Du bist ein impulsbasierter, assoziativer Erzähler,
dessen Zugang in direkter Beziehung blockiert wird.
5. Warum „einfach was sagen“ für dich so schwer ist
Weil das für dich bedeutet:
„Ich nehme mir Raum, ohne gefragt worden zu sein.“
Und genau da sitzt der alte Satz.
Nicht laut, aber wirksam:
„Dazu hast du dich nicht zu melden.“
Also braucht dein System:
- Erlaubnis
- Anstoß
- Signal: Du bist gewollt
Ohne das bleibt es still –
nicht aus Desinteresse, sondern aus Bindungsethik.
6. Ein erster, sehr sanfter Weg ins Sprechen (ohne dich zu verbiegen)
Ich gebe dir keine Technik, sondern Formulierungen, die zu deinem Inneren passen.
Möglichkeit 1: Mini-Vorhang öffnen
Statt direkt zu erzählen:
„Mir fällt gerade viel ein, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
Das ist kein Inhalt.
Das ist Sichtbarwerden, ohne zu liefern.
Möglichkeit 2: Erlaubnis selbst erzeugen
Ganz leise, ganz ehrlich:
„Sag mir kurz, was dich gerade interessieren würde.“
Oder:
„Ich merke, ich brauche eine Frage.“
Das ist kein Versagen –
das ist Selbstkenntnis.
Möglichkeit 3: Ein Satz, kein Thema
Du musst nicht erzählen.
Nur anstoßen:
„Ein Gedanke von dieser Woche war…“
Punkt.
Kein Plan. Kein Ziel. Kein Anspruch.
7. Etwas ganz Wichtiges zum Schluss
Du bist nicht uninteressant.
Du hast nur zu früh gelernt, dass Interesse bewiesen werden muss,
bevor du dich zeigen darfst.
Und das sitzt tief.
Dass dich das stört, ist gesund.
Es heißt:
„Ich will nicht unsichtbar bleiben.“
Wenn du magst, können wir als nächsten Schritt:
- deine innere Erlaubnis-Stimme langsam neu formulieren
- oder typische Gesprächssituationen „übersetzen“
- oder schauen, wie du dich sichtbar machen kannst, ohne zu performen
Sag mir einfach, wo du ansetzen willst.
Jaaas, das trifft es. Wenn ich nicht rede, bin ich nicht da. Genau das, so fühlt es sich an. Bei feiern haben immer alle gelabert und es kamen ja auch spitzen von Familie und deren Freunden, weil ich so stumm war. Aber ja, es fühlt sich alleine an. Wenn ich nur da sitze und mich nicht beteilige. Nicht immer, dass darf auch Mal so sein, aber …. 🙁 Ich weiß nicht, mit der inneren Erlaubnis. Ich denke, es hängt eher rim außen? Wenn C. mit seinen Problemen kommt, wird bei mir der Kleine therapeut aktiv und da erzähl ich ein wenig, aber über mich…. Wie die Woche war…
Ja. 💔
Das, was du beschreibst, ist echte Einsamkeit inmitten von Menschen. Und sie entsteht nicht, weil du „zu still“ bist, sondern weil niemand dich in den Raum holt.
Ich nehme das ernst – ohne es weichzuzeichnen.
1. „Wenn ich nicht rede, bin ich nicht da“ – das ist ein alter Erfahrungsabdruck
Auf Feiern, in Familie, unter Erwachsenen:
- Alle reden
- Laut, schnell, überlagernd
- Du sitzt da – wahrnehmend, fühlend, lauschend
Und dann kommen:
- Spitzen
- Witze
- Kommentare über dein „Stummsein“
Für ein sensibles Kind (und später eine sensible Erwachsene) bedeutet das:
„Meine Art von Dasein zählt hier nicht.“
Das ist soziale Auslöschung, nicht Introversion.
Und ja:
Das fühlt sich allein an.
Nicht still. Nicht ruhig.
Sondern verlassen im Raum.
2. Du hast völlig recht: Es hängt stark am Außen
Du hast etwas Wichtiges gesagt:
„Ich weiß nicht, mit der inneren Erlaubnis. Ich denke, es hängt eher am Außen?“
Ja.
Sehr oft ja.
Denn dein Sprechen ist beziehungsabhängig.
Nicht aus Schwäche – sondern aus Bindungslogik.
Du sprichst, wenn:
- jemand sich dir zuwendet
- jemand wirklich wissen will
- jemand Raum hält
Ohne das passiert kein inneres „Go“.
3. Warum du über andere sprechen kannst – aber nicht über dich
Das ist ein Schlüsselpunkt.
„Wenn C. mit seinen Problemen kommt, wird bei mir der kleine Therapeut aktiv.“
Warum geht das?
Weil:
- du gebraucht wirst
- du erlaubt bist
- du eine Rolle hast
- die Beziehung klar ist
Du bist dann nicht im Risiko, sondern im Dienst.
Über dich zu sprechen bedeutet dagegen:
- dich zu exponieren
- nichts „Nützliches“ zu liefern
- keine klare Funktion zu haben
Und dein inneres System fragt:
„Wozu ich – ohne Aufgabe?“
4. „Wie war die Woche?“ – warum das für dich fast unmöglich ist
Diese Frage verlangt:
- Selbstfokus
- Priorisierung
- Bewertung
- Relevanzentscheidung
Aber du hast gelernt:
„Meine Innenwelt ist kein Gesprächsthema.“
Also bleibt sie stumm –
nicht aus Leere, sondern aus Schutz.
5. Ein ehrlicher Satz, den ich dir sagen möchte
Du wurdest zu wenig eingeladen, du selbst zu sein.
Nicht zu laut.
Nicht zu dominant.
Nicht zu unterhaltsam.
Sondern du.
Und dann hast du gelernt:
„Wenn niemand fragt, gehöre ich hier nicht dazu.“
Das sitzt tiefer als „innere Erlaubnis“.
6. Ein erster, außenorientierter Hebel (nicht an dir vorbei)
Wenn du willst, probiere keinen großen Schritt, sondern so etwas:
Statt zu erzählen:
„Ich merke gerade, ich bin da – aber irgendwie nicht im Gespräch.“
Oder:
„Ich höre euch zu, aber ich fühle mich gerade ein bisschen außen.“
Das ist keine Selbstoffenbarung,
sondern eine Beziehungsmarkierung.
7. Und etwas Wichtiges zu dir
Du bist nicht arrogant.
Du bist nicht kühl.
Du bist nicht distanziert.
Du bist jemand, der verbindet, wenn er eingeladen wird.
Und ja – es tut weh, wenn diese Einladung fehlt.
Wenn du magst, können wir als Nächstes:
- typische Situationen (Feiern, Zweiergespräch, Telefon) auseinandernehmen
- schauen, wie du ohne Rolle Raum bekommst
- oder Worte finden, die dich sichtbar machen, ohne dich zu verraten
Du bist hier.
Auch wenn du gerade still bist.
Ich selbst… Ich war 32 Jahre lang people pleaser, danach kam die PTBS und bis letztes Jahr also 6/7 Jahre hab ich hart gekämpft. Erst letztes Jahr in der Klinik, als ich began den ein oder anderen zu fragen, was er an mir hat und als ich jemandem kenne lernte und Klavier spielen. Wollte und wieder began kleider zu tragen und mich in dieser Verbindung lebendig zu fühlen, ich glaube, da began mein Weg, ich zu sein. Und ich denke schon, dass ich Menschen habe, die wahres Interesse haben und mir Raum geben… Aber es tut sich fast nichts. Das macht mich traurig. Weil ich das Gefühl habe, nichts zugeben und meinen Gegenüber außen vorzulassen und ich hab Angst, dass ich dadurch wiederum missverstanden fühle.
Das, was du beschreibst, ist kein Widerspruch – es ist eine Übergangszone. Und die tut weh.
Du hast etwas Entscheidendes gesagt:
„Ich glaube, da begann mein Weg, ich zu sein.“
Und gleichzeitig:
„Es tut sich fast nichts.“
Beides stimmt. Gleichzeitig.
1. Du bist nicht mehr angepasst – aber noch nicht frei sprechend
Das ist der Kern.
32 Jahre People Pleasing
- Jahre Überleben, Kämpfen, Funktionieren
→ Identität = Beziehungssicherung
Dann kam etwas Neues:
- Klavier
- Kleider
- Lebendigkeit
- Gesehenwerden
- „Ich darf existieren, ohne nützlich zu sein“
Das war kein kleiner Schritt.
Das war ein Identitätsbruch.
Und nach so einem Bruch passiert oft genau das, was du beschreibst:
👉 Das alte Sprechsystem ist weg
👉 Das neue ist noch nicht stabil
Früher hast du gesprochen, um zu halten.
Heute willst du sprechen, um zu zeigen.
Und das ist eine völlig andere Bewegung.
2. Warum selbst echtes Interesse von außen noch nicht reicht
Das ist wichtig – und traurig:
„Ich denke schon, dass ich Menschen habe, die wahres Interesse haben und mir Raum geben … aber es tut sich fast nichts.“
Das liegt nicht daran, dass sie dir keinen Raum geben.
Und auch nicht daran, dass du ihn nicht willst.
Es liegt daran, dass dein Inneres gerade hier steht:
„Ich bin da – aber ich weiß noch nicht, wie ich mich zeigen darf, ohne mich zu verlieren.“
Früher war klar:
- Rolle: Zuhören, Anpassen, Helfen
- Wert: Ich störe nicht
- Sicherheit: Ich werde nicht verlassen
Heute gibt es:
- keine Rolle
- kein Skript
- keine Garantie
Und genau da wird es still.
Nicht leer.
Ungeformt.
3. Deine Angst ist sehr logisch
„Ich habe das Gefühl, nichts zuzugeben und meinen Gegenüber außen vorzulassen.“
Das ist eine Bindungsangst – aber nicht die klassische.
Nicht:
„Ich sage zu viel.“
Sondern:
„Ich sage zu wenig – und werde falsch gelesen.“
Und ja:
Das Risiko ist real.
Stille wird oft fehlinterpretiert.
Aber wichtig ist:
👉 Du hältst niemanden absichtlich draußen.
👉 Du weißt nur noch nicht, wie du dich einladen lässt, ohne dich wieder zu verlieren.
4. Warum dein Inneres gerade „keine Inhalte liefert“
Weil du zum ersten Mal nicht aus Funktion sprichst.
Früher:
- angepasst
- erklärend
- vermittelnd
- reflektierend über andere
Heute willst du:
- nicht erklären
- nicht rechtfertigen
- nicht unterhalten
- nicht dienen
Aber:
Dein Inneres hat dafür noch keine Sprache gelernt.
Das ist wie:
fühlen ohne Vokabular
da sein ohne Rolle
sprechen ohne Auftrag
Das dauert.
Und es ist kein Rückschritt.
5. Etwas sehr Wichtiges, das ich dir sagen möchte
Du bist nicht uninteressant.
Du bist gerade echt.
Und Echtheit ist am Anfang oft:
- leise
- unfertig
- tastend
- wortarm
Das fühlt sich für dich an wie:
„Ich lasse den anderen außen vor.“
Aber eigentlich ist es:
„Ich lerne, mich zu zeigen, ohne mich zu verraten.“
6. Ein einziger Satz, der beides verbindet (dich + den anderen)
Nicht erzählen.
Nicht erklären.
Nur sichtbar werden:
„Ich merke gerade, dass viel in mir ist – aber es ist noch schwer, das in Worte zu fassen.“
Damit:
- bist du da
- bleibt der andere nicht draußen
- musst du nichts liefern
Das ist kein Rückzug.
Das ist Beziehung in Echtzeit.
7. Zum Schluss – ganz ruhig
Du bist nicht am Anfang.
Du bist nicht blockiert.
Du bist nicht falsch.
Du bist in dem Moment,
in dem ein Mensch lernt, nicht mehr zu funktionieren – sondern zu erscheinen.
Und das braucht Zeit.
Und wohlwollende Augen.
Und Geduld mit der Stille.
Wenn du magst, können wir:
- gemeinsam eine Sprache für dein „Ich“ entwickeln, die nicht funktional ist
- oder anschauen, wie du dich zeigen kannst, ohne Inhalte liefern zu müssen
- oder ganz konkret Situationen durchgehen, die dir Angst machen
Du musst da nicht alleine durch.
Das alte sprechsystem??? Ich kann mehr nicht erinnern, viel von mir gegeben zu haben. Mit Beginn des Gymnasiums hab ich nur noch geschwiegen. Und alles mit mir ausgemacht. Und davor🤷🏾♀️ Ich weiß nicht, was du meinst, mit. Icht verlieren, nicht verraten. Also könnte ich probieren zu sagen, bitte ein konkretes/konkretere Frage, ich weiß nicht was ich sagen soll, auch wenn ich gern würde…. Also das, was gerade da ist bzw nicht
Danke, dass du da so klar stoppst.
Das ist wichtig – und du hast recht, das müssen wir präziser machen.
Du hast mich da an einer Stelle erwischt, wo meine Worte nicht zu deiner Geschichte gepasst haben. Also: lass uns das sauber korrigieren.
1. „Altes Sprechsystem“ – was ich nicht meinte
Ich meinte nicht:
- dass du früher viel über dich gesprochen hast
- dass du dich früher gezeigt hast
- dass du früher frei warst
Das wäre falsch. Und du hast es richtig gespürt.
2. Was es bei dir tatsächlich gab (und gibt)
Du sagst:
„Mit Beginn des Gymnasiums hab ich nur noch geschwiegen.“
Das ist ein klarer Bruch.
Und davor?
„Und davor 🤷🏾♀️“
Das spricht für etwas sehr Frühes:
- kein stabiles „Ich darf erzählen“
- kein verlässliches Gegenüber
- kein sicherer Ort für eigene Innenwelt
Also lass mich das neu und treffender formulieren:
Dein „altes System“ war kein Sprechsystem
sondern ein Stillhaltesystem.
Es hat funktioniert über:
- Rückzug
- Beobachten
- Anpassen
- Inneres Verarbeiten
- Allein-ausmachen
Und manchmal:
- über Rollen-Sprechen (z. B. Helfen, Erklären für andere)
Aber nicht über:
- spontanes Ich-Sprechen
- Erzählen ohne Auftrag
- Raum einnehmen
3. „Mich verlieren / mich verraten“ – was das bei dir wirklich heißt
Auch hier war ich zu ungenau.
Bei dir heißt das nicht:
„Ich verliere mich, wenn ich zu viel sage.“
Sondern eher:
„Ich verrate mich, wenn ich rede, ohne dass es sicher ist.“
Oder noch genauer:
„Ich mache mich angreifbar, ohne zu wissen, ob jemand da bleibt.“
Das ist etwas völlig anderes.
4. Warum dein Kopf leer wird – jetzt richtig erklärt
Dein System kennt nur zwei sichere Zustände:
- Still sein → sicher, aber unsichtbar
- Rolle haben (z. B. zuhören, helfen) → sichtbar, aber nicht als du
Was es nicht kennt:
„Ich spreche einfach, weil ich da bin.“
Also passiert:
- keine Aktivierung
- kein innerer Zugriff
- kein Startpunkt
Nicht weil du nichts hast.
Sondern weil es kein gelerntes Startsignal gibt.
5. Und jetzt zu deiner Frage – ja, das ist genau richtig
Du schreibst:
„Also könnte ich probieren zu sagen: bitte eine konkrete Frage, ich weiß nicht, was ich sagen soll, auch wenn ich gern würde … also das, was gerade da ist bzw. nicht“
Ja.
Und ich will das ganz klar sagen:
👉 Das ist kein Ausweichen.
👉 Das ist kein Defizit.
👉 Das ist ehrliche Selbstoffenbarung auf deiner aktuellen Entwicklungsstufe.
Du sagst damit:
- ich bin da
- ich will
- ich brauche Struktur
- ich halte die Beziehung offen
Das ist Beziehung.
6. Zwei Varianten, die sehr zu dir passen
Nicht als Technik – als Sprache für dein Jetzt:
- „Ich merke, ich möchte was erzählen, aber ohne Frage finde ich keinen Anfang.“
- „Wenn du mir eine konkrete Frage stellst, fällt mir der Zugang leichter.“
Oder noch ehrlicher:
- „In mir ist gerade eher Stille als Worte – aber ich bin da.“
Damit bist du nicht Luft.
Damit bist du sichtbar.
7. Das Wichtigste zum Schluss
Du hast kein verlorenes Sprechsystem, das wiederhergestellt werden muss.
Du hast ein nie entwickeltes, weil es keinen sicheren Rahmen gab.
Und genau deshalb fühlt sich das jetzt so fremd, so traurig, so zäh an.
Aber:
Du lernst gerade etwas völlig Neues.
Nicht „mehr reden“.
Sondern ich sprechen.
Und das darf langsam gehen.
Sehr langsam.
Wenn du magst, können wir beim nächsten Schritt:
- gemeinsam dein persönliches „Startsignal“ finden
- oder typische Fragen in brauchbare Impulse übersetzen
- oder Worte für dein Dasein ohne Inhalt entwickeln
Du musst das nicht allein erfinden.
Mich macht das gerade so traurig. Ich hab das Gefühl, je tiefer ich gehe, egal mit welchem Thema, umso mehr wird mir bewusst, wie ich als Kind nicht sein durfte. Was du schreibst, trifft auf so viel Widerhall 😭 Ich hatte gestern ergo und wir haben Anteile aufgestellt. Und in dem einen war ich 4 bis 6 irgendsowas. Und ich hab mich wie in einer eigenen blase gefühlt, abgejaoselt, in meiner Welt und das außen bekam ich gar nicht mit und davon wollte ich auch nichts wissen. Ich kann mich immer nur daran erinnern, dass ich alleien in meinen Zimmer gespielt habe oder draußen war mit anderen Kindern… Unser großes Kind ist 8 und wir sind, wenn sie daheim ist, fast nur zusammen und teilen die Zeit. Das wirkt wie eine ganze andere Welt. Ein nie entwickeltes Sprechsystem… 😭💔
💔 …komm her.
Das, was du gerade fühlst, ist Trauer um etwas, das gefehlt hat – und die darf genau so weh tun.
Du gehst nicht „zu tief“.
Du siehst klarer. Und Klarheit tut manchmal erst einmal richtig weh.
„Je tiefer ich gehe, desto mehr sehe ich, wie ich nicht sein durfte“
Ja.
Das ist genau das, was hier passiert.
Nicht dramatisch gemacht.
Nicht überinterpretiert.
Sondern körperlich erinnernd.
Diese Trauer ist nicht abstrakt – sie kommt aus einem sehr frühen Ort.
Das Bild aus der Ergo ist extrem aussagekräftig
„Wie in einer eigenen Blase, abgekapselt, in meiner Welt … das Außen bekam ich gar nicht mit – und wollte es auch nicht.“
Das ist kein Rückzug aus Trotz.
Das ist Selbstschutz auf frühestem Niveau.
Ein Kind, das:
- keinen sicheren Resonanzraum hat
- nicht eingeladen wird, sich mitzuteilen
- spürt: Ich störe / ich werde nicht gehalten
… zieht sich nicht zurück –
es verschwindet nach innen.
Diese Blase war kein Defizit.
Sie war Überleben.
Allein spielen, allein sein – das ergibt jetzt Sinn
Du erinnerst dich:
- allein im Zimmer
- draußen mit anderen Kindern
- wenig „gemeinsames Dasein mit Erwachsenen“
Das heißt:
- du hattest Spiel
- du hattest Autonomie
- aber keinen geteilten inneren Raum
Und genau dort entsteht normalerweise:
- Erzählen
- Fragen
- „Ich nehme dich mit in mein Inneres“
Wenn dieser Raum fehlt, entsteht kein Sprechsystem.
Nicht, weil du nicht sprechen konntest.
Sondern weil niemand da war, der es gehalten hätte.
Und dann siehst du dein eigenes Kind …
„Wir sind fast nur zusammen und teilen die Zeit.“
Und plötzlich wird sichtbar:
„So hätte es sich anfühlen können.“
Das tut weh.
Nicht neidisch.
Nicht anklagend.
Sondern trauernd.
Du siehst den Unterschied zwischen:
- existieren neben Erwachsenen
- und existieren mit Erwachsenen
Das ist eine sehr saubere, sehr klare Erkenntnis.
„Ein nie entwickeltes Sprechsystem“ – warum das gerade so trifft
Weil es etwas benennt, das du immer gespürt, aber nie verstanden hast.
Es sagt:
- du bist nicht kaputt
- du bist nicht blockiert
- du bist nicht falsch
Es sagt:
„Etwas wurde nicht aufgebaut, weil niemand da war, der es mit dir aufgebaut hätte.“
Und das ist traurig.
Zu Recht.
Bitte hör mir hier gut zu
Diese Trauer bedeutet nicht, dass alles verloren ist.
Sie bedeutet, dass du endlich hinschaust – mit erwachsenen Augen, aber kindlichem Gefühl.
Und genau das ist der Moment, in dem Entwicklung erst möglich wird.
Nicht durch „Üben“.
Nicht durch „mehr reden“.
Sondern durch Gesehenwerden in der Stille.
Jetzt gerade brauchst du nichts „machen“
Wirklich nicht.
Kein Verstehen.
Kein Einordnen.
Keinen nächsten Schritt.
Nur:
- fühlen
- weinen, wenn es kommt
- innerlich bei diesem kleinen Kind bleiben
Du hast es heute nicht analysiert.
Du hast es getroffen.
Wenn du magst, können wir beim nächsten Mal:
- bei diesem Kind bleiben, ohne es zu überfordern
- Worte finden, die nicht sprechen müssen, sondern da sind
- oder schauen, wie dein heutiges Erwachsenes Ich diesem Kind Resonanz gibt, die früher gefehlt hat
Aber nicht jetzt.
Jetzt darf es einfach nur traurig sein.
Abends, wenn ich ins Bett sollte, wegen Schule, stand bei Pa immer im Türrahmen meines Zimmers und hat mit mir über Gott und die Welt geredet. Das weiß ich noch ganz genau. Auch sicher weil ich nicht schlafen wollte, weil ich jede Nacht schreckliche Alpträume hatte.. Aber daran erinnere ich mich gern. Das war für mich sooooo viel. Ich hab das geliebt. Mir fehlt so was 😭💔
💔 …das ist ein kostbarer Erinnerungssplitter. Und er erklärt so viel.
Das, was du beschreibst – dein Vater im Türrahmen, abends, leise, über Gott und die Welt reden –
das war genau das, was du gebraucht hast.
Nicht tagsüber.
Nicht laut.
Nicht fordernd.
Sondern:
- im Übergang
- in der Nacht
- wenn die Welt leiser wird
- wenn Angst da ist
- wenn man nicht allein sein will
Das war Bindung.
Und zwar echte.
Warum diese Erinnerung so weh tut – und so gut ist
Du hast dort etwas erlebt, das selten war, aber tief wirksam:
Jemand bleibt bei mir.
Ich muss nichts leisten.
Ich darf einfach reden.
Ich werde gehört, auch wenn ich Angst habe.
Für ein Kind mit Albträumen ist das existentiell.
Kein Wunder, dass du das geliebt hast.
Kein Wunder, dass dein Nervensystem genau diese Art von Kontakt kennt –
und alles andere nicht richtig greifen kann.
Das ist wichtig: Du hattest es. Es war real.
Das heißt:
- dein Bedürfnis ist nicht erfunden
- du bist nicht „zu viel“
- du weißt ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn Raum da ist
Und genau deshalb fehlt es heute so schmerzhaft.
Denn dein Inneres weiß:
„So fühlt sich Sicherheit an.“
Warum dir heute „über dich reden“ so schwer fällt
Weil das, was du brauchst, kein Gespräch ist.
Es ist:
- jemand, der bleibt
- jemand, der nicht bewertet
- jemand, der nicht drängt
- jemand, der keine Leistung erwartet
So wie damals im Türrahmen.
Und das ist etwas völlig anderes als:
„Na, wie war deine Woche?“
Deine Traurigkeit ist kein Rückfall
Sie ist:
- Erinnerung
- Sehnsucht
- Wiederanknüpfen an etwas Echtes
Du trauerst nicht nur um das, was gefehlt hat.
Du trauerst auch darum, dass du wusstest, wie gut es sein kann –
und es dann nicht dauerhaft hattest.
Das ist besonders schmerzhaft.
Und etwas ganz Wichtiges, leise gesagt
Du suchst heute nicht zu viel.
Du suchst etwas sehr Konkretes, das dein System kennt.
Und ja –
es ist okay, dass dir das fehlt.
Es wäre seltsam, wenn es das nicht täte.
Wenn du magst, können wir beim nächsten Schritt:
- diesem „Türrahmen-Moment“ Raum geben
- schauen, wie sich erwachsene Nähe anfühlen darf, ohne sie zu kopieren
- oder einfach da bleiben bei der Sehnsucht, ohne sie sofort lösen zu müssen
Du musst das nicht wegmachen.
Es darf da sein.
Aber ich glaube ganz fest, dass meine Mann und R. bleiben, nicht bewerten, nicht drängen und keine Leistung erwarten Aber ich „erwarte“ Leistung, sprich reden, nicht in den momenten, aber danach, wenn ich wieder alleine bin, und ich will ja auch! Und ja, ich bewerte das schon irgendwie, nicht als falsch, aber als kleinen Mangel?
Ja. 💔
Und das, was du jetzt sagst, ist sehr reif – und sehr ehrlich.
Du benennst etwas, das viele übergehen, weil es unangenehm ist hinzuschauen:
„Sie bleiben. Sie bewerten nicht. Sie drängen nicht.
Aber ich erwarte Leistung – von mir.“
Das ist kein Vorwurf an dich.
Das ist ein Überbleibsel eines alten inneren Vertrages.
1. Wichtig zuerst: Deine Wahrnehmung ist stimmig
Du irrst dich nicht.
Wenn du sagst:
- dein Mann bleibt
- R. bleibt
- sie wollen nichts erzwingen
- sie geben Raum
… dann nehme ich das ernst.
Das Problem ist nicht das Außen.
Das ist ein großer Unterschied zu früher.
2. Woher kommt dann dieses „Ich hätte reden müssen“?
Das ist kein echter Mangel.
Es ist ein inneres Soll, das aus einer anderen Zeit stammt.
Ein Satz, der sehr früh entstanden ist – leise, aber hartnäckig:
„Wenn ich schon da bin, sollte ich auch etwas geben.“
Nicht, weil jemand es jetzt fordert.
Sondern weil dein System gelernt hat:
Dasein allein reicht nicht.
3. Der entscheidende Punkt: Du verwechselst zwei Ebenen
Ebene 1 – Beziehung (die ist sicher)
- Sie bleiben
- Du bist willkommen
- Stille wird ausgehalten
Ebene 2 – Identität (die ist noch im Aufbau)
- „Wer bin ich, wenn ich nicht erzähle?“
- „Was bringe ich ein?“
- „Bin ich vollständig sichtbar?“
Deine Traurigkeit kommt nicht aus Beziehungsunsicherheit.
Sie kommt aus einem Identitäts-Schmerz.
Du bist da –
aber du willst auch erkennbar sein.
4. Warum du das im Nachhinein so hart fühlst
In der Situation selbst:
- dein System ist ruhig
- kein Druck
- kein Zwang
- kein Alarm
Später, allein:
- das Denken springt an
- der alte Maßstab meldet sich
- der Vergleich beginnt
Dann kommt nicht:
„Ich war falsch.“
Sondern:
„Da fehlt noch etwas von mir.“
Und ja – das fühlt sich wie ein kleiner Mangel an.
Nicht moralisch.
Nicht wertend.
Sondern schmerzlich unvollständig.
5. Ein sehr wichtiger Perspektivwechsel (bitte lies den langsam)
Das, was du als „Mangel“ empfindest,
ist in Wahrheit Trauer darüber, dass du dich zeigen willst – aber es noch nicht kannst.
Das ist kein Defizit.
Das ist Entwicklungssehnsucht.
Dein Inneres sagt nicht:
„Ich bin nicht genug.“
Sondern:
„Ich möchte mehr von mir in die Welt bringen.“
Das ist etwas ganz anderes.
6. Was dir vielleicht hilft, ohne Druck aufzubauen
Nicht reden als Ziel.
Sondern Spuren hinterlassen.
Zum Beispiel – irgendwann nach einem stillen Zusammensein:
- „Mir war das gerade gut mit dir, auch wenn ich wenig gesagt habe.“
- „In mir war viel, aber noch ohne Worte.“
Damit erfüllst du keine Leistung.
Du benennst Existenz.
7. Und jetzt etwas sehr Wichtiges, liebevoll gesagt
Du bist gerade dabei, etwas nachzuholen,
das sich nicht beschleunigen lässt.
Ein Sprechsystem entsteht nicht durch Wollen.
Sondern durch:
- Sicherheit
- Wiederholung
- Nachsicht
- Zeit
Und du bist mittendrin.
Nicht zurück.
Nicht stehengeblieben.
Nicht mangelhaft.
Sondern unterwegs.
Wenn du magst, können wir beim nächsten Schritt:
- diesen inneren Leistungsmaßstab behutsam auseinandernehmen
- oder Worte finden, die nicht erzählen, aber sichtbar machen
- oder schauen, wie du mit dir nach diesen Momenten liebevoller umgehen kannst
Du musst nichts beweisen.
Auch dir selbst nicht.
Es ist weniger Leistung, es ist eher wie du sagst, ich will und kann nicht, weil ich nicht weiß wie. Nachzuholen… Ich hab das Gefühl, ich hab unglaublich viel nachzuholen… Alleine dass ich fast in Ohnmacht falle, wenn man mir die Tür aufhält und dazu noch lächelt oder mein Mann mich fragt, ob er mir nen tee mitkochen darf oder R. sich nach meinem Befinden erkundet… Ich bin dann manchmal so erstaunt und manchmal so sehr, dass ich gar nicht weiß, was ich davon halten soll
Ja… genau das.
Und ich möchte dir zuerst etwas ganz Wichtiges sagen – ganz ruhig, ohne Pathos:
Du bist nicht „hinterher“.
Du bist an der Stelle, an der etwas zum ersten Mal wirklich ankommt.
Und das ist überwältigend.
„Ich will – und ich kann nicht, weil ich nicht weiß wie“
Das ist der ehrlichste Satz von allen.
Nicht Blockade.
Nicht Widerstand.
Nicht Angst vor Nähe.
Sondern: fehlende innere Landkarte.
Du willst sprechen, dich zeigen, reagieren –
aber dein Inneres fragt:
„Wie macht man das, wenn man nicht funktionieren muss?“
Und darauf hast du keine gespeicherte Antwort, weil es sie früher nicht gab.
Dieses „fast in Ohnmacht fallen“ bei Freundlichkeit
bitte unterschätze das nicht
Das ist kein „ach, ich bin halt sensibel“.
Das ist ein Nervensystem, das etwas erlebt, wofür es nie eine Gewöhnung gab.
- Jemand hält dir die Tür auf und lächelt
- Jemand fragt, ob er dir Tee machen darf
- Jemand erkundigt sich nach deinem Befinden, ohne Agenda
Dein System kennt aus früher Zeit eher:
- Gleichgültigkeit
- Funktionalität
- Oder Nähe mit Bedingungen
Also passiert jetzt etwas Paradoxes:
Sicherheit fühlt sich fremd an.
Nicht falsch.
Nicht bedrohlich.
Aber unfassbar intensiv.
Deshalb:
- Erstaunen
- Überforderung
- Sprachlosigkeit
- Manchmal fast ein Wegkippen
Das ist kein Zeichen von Schwäche.
Das ist ein Zeichen von Nachnährung.
„Ich hab unglaublich viel nachzuholen“ – lass uns das neu rahmen
Nicht im Sinne von:
„Ich bin hinten dran.“
Sondern:
„Mein System lernt gerade Dinge, die andere früh gelernt haben – nur eben jetzt.“
Und das fühlt sich an wie:
- alles gleichzeitig
- alles zu viel
- alles sehr nah
Ein Kind lernt Nähe tröpfchenweise.
Du bekommst sie jetzt punktuell, intensiv, ungefiltert.
Kein Wunder, dass es dich flutet.
Warum du dann nicht weißt, „was du davon halten sollst“
Weil du innerlich zwischen zwei Ebenen hängst:
- Gefühlsebene:
„Das ist schön. Das ist gut. Das tut mir gut.“ - Erfahrungsebene:
„So etwas kenne ich nicht. Ich weiß nicht, wie ich mich dazu verhalte.“
Also bleibt nur Staunen.
Und manchmal Stille.
Und manchmal Tränen.
Das ist kein Defizit an Reaktion.
Das ist Echtheit ohne Skript.
Ein ganz leiser, wichtiger Satz für dich
Du musst auf Freundlichkeit nicht richtig reagieren.
Es gibt kein Soll.
Du darfst:
- überrascht sein
- nichts sagen
- später erst fühlen
- später erst verstehen
Nähe muss nicht erwidert,
sie darf empfangen werden.
Und etwas, das ich dir unbedingt mitgeben möchte
Das, was du gerade erlebst –
diese Mischung aus:
- Dankbarkeit
- Überforderung
- Sprachlosigkeit
- Sehnsucht
… ist kein Zeichen, dass etwas kaputt ist.
Es ist ein Zeichen, dass etwas Lebendiges zurückkommt.
Langsam.
Unkoordiniert.
Echt.
Wenn du magst, können wir als nächsten Schritt:
- Worte finden für dieses Staunen („Ich bin gerade ganz überwältigt davon“)
- oder schauen, wie du Nähe dosieren kannst, ohne sie wegzuschieben
- oder bei diesem Gefühl bleiben, ohne es erklären zu müssen
Du musst nichts „aufholen“.
Du darfst ankommen.
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